Äste und Zweige des Ursprachenbaums

 

riesenbaum

 

Übersicht Indo-Germanischer-Sprachen

Zum indogermanischen Sprachstamm gehören folgende lebende Sprachen:

  1. Iranische Sprachen
  2. Indische Sprachen
  3. Keltische Sprachen
  4. Griechisch
  5. Armenisch
  6. Romanische Sprachen (italienisch, spanisch, französisch, portugiesisch, rumänisch)
  7. Albanisch
  8. Germanische Sprachen (skandinavische Sprachen, deutsch, englisch, holländisch, Afrikaans)
  9. Baltische Sprachen
10. Slawische Sprachen
11. Mongolische, koreanische und chinesische Sprachen
12. Ägyptisch, aramäisch, hebräisch und arabisch
13. Sonderfälle (Basken, Aborigines, Indianer…)

Die Entwicklung der Sprachzweige des Sprachenbaumes lässt sich wie folgt skizzieren.

 

1.    Iranisch (Altpersisch)

Nicht zufällig, wie wir im weiteren Verlauf sehen werden, finden die iranischen Sprachen hier zuerst Erwähnung, da die Vermutung naheliegt, dass im Altpersischen eine der wesentlichen Wurzel besagten Baumes zu entdecken ist. Avestisch wurde vor mehr als 2500 Jahren gesprochen, jedoch reichen die sprachlichen Anfänge sehr viel weiter zurück. In Avesta wurde die heilige Schrift des Propheten Zarathustra verfasst. Das heutige Neupersisch (Farsi) hat sich weit von alten indogermanischen Grundformen fort entwickelt. Ein Merkmal dieser Sprache ist die Übersichtlichkeit des Lautsystems und der grammatikalischen Formen. Im Iran wird hauptsächlich die arabische Schrift verwendet, deren Zahlensystem und Ziffern heute international in allen Sprachen der Welt gebräuchlich sind.

 

2.    Armenisch

Das armenische Alphabet ist in seiner jetzigen Form mindestens 1500 Jahre alt, wenngleich die später ausführlich dargelegte Vermutung nahelegt, dass die Wurzeln dieser Sprache, die heute nur noch im Staatsgebiet Armeniens gesprochen wird, etwa 6000 Jahre auf den Grundtypus vieler Sprachen zurückreicht, dessen Stamm ebenfalls das Altpersische (insbesondere Nordpersisch) ist.

 

3.    Indische Sprachen

Das Sanskrit wurde bis etwa 500 v. Chr. gesprochen. Heute bezeichnet diese, der allen gemeinsamen Ursprache ebenfalls sehr nahe Sprache, überwiegend transzendente und philo-sophische Inhalte. Wie keine andere überlieferte Schrift vermittelt Sanskrit das Wissen um die Kraft der Urlaute (siehe die Meditation: „Om Mani Padme Hum“). OM/AUM ist ein Symbol vedischer Wahrheitserkenntnis, das zugleich unterschiedliche Bewusstseinsebenen in Resonanz zu setzen vermag. Diese Silbe ist kein magisches Wort, sondern ein Mantra von spiritueller Kraft: Die Schwingungskraft des Klanges der Gegenwart des Absoluten in der irdischen `Scheinwelt´ (skr.:= Maya).

Aus dem sogenannten Mittelindisch entwickelte sich im Mittelalter das Spätmittelindische. Heute spricht man in Indien Hindi, Urdu und Bengali, die sich seit dem 10. Jahrhundert nachweisen lassen. Der Unterschied zwischen den sehr ähnlichen Sprachen Hindi und Urdu besteht darin, dass Hindi in der uralten Devangari-Schrift des Sanskrit, und Urdu arabisch geschrieben wird.

 

4.    Keltische Sprachen

Während sich die meisten indogermanischen Sprachen sehr weit ausgedehnt haben, wird die keltische Sprache in den letzten Jahrtausenden zunehmend weniger gesprochen. Früh be-herrschten keltische Sprachen von Irland bis Österreich, von Südpolen bis Nordspanien – halb Europa. Heute werden keltische Sprachen (Gälisch) nur noch in Irland, Schottland und Wales als Zweitsprache gesprochen.

Gleichwohl gehen die Ursprünge dieser Sprache sehr weit in die Geschichte zurück. Den Schriftzeichen der Kelten, den Runen (woher sich das deutsche Wort `raunen´ ableitet), wird eine magische Symbolkraft nachgesagt. Das deutsche Wort “Buchstabe” (= Buchenstab) erklärt sich ebenso wie das Wort “Buch” aus den spirituellen Zusammenkünften der Kelten in den Buchenwäldern auf den Anhöhen, wo sie mit Buchenstäben die Runen legten. Die Ur-Rune (Swastika) soll in ihrer kosmischen Wirkkraft gleichbedeutend mit der Sanskrit-Silbe OM (AUM) sein, (vergleiche auch das aramäische `Amen´). Es wird eine Beziehung zwischen den Bedeutungen der Runen und den altindischen heiligen Schriften der `Veden´ vermutet. Siehe die `Edda´, (keltisch-germanische Götter- und Helden-dichtung und Spruchweisheit). Das Versmaß der runischen oder eddischen Schau ist der traditionelle  Stabreim, wie er in der Edda des Sämund Sigfusson in altnordischer Sprache überliefert ist. Dass das Schriftgut alter Kulturen häufig im Versmaß vermittelt ist, (z.B. die vedische Bhagavadgita, das sumerische Gilgamesh-Epos oder auch Homers `Ilias´) ist wahrscheinlich mit Inspiration höherschwingender Geistigkeit (Verbindung mit supramentalem Bewusstsein) zu erklären. Auch die Bibel enthält (nicht nur in den Psalmen) einen Rhythmus, der zutiefst bedeutungsvoll ist, (allerdings kommt dieser unverfälscht nur in den Urschriften zum Ausdruck, die nur andeutungsweise in andere Sprachen zu übersetzen sind). Hier ist die Sprache nicht bloß Information, sondern trifft und wirkt durch ihren rhythmischen und melodiösen Klang zugleich als energetische Schwingung.

 

5.    Griechisch

Die Entwicklung der griechischen Sprache ist – einzigartig im europäischen indogermanischen Sprachraum – über einen Zeitraum von über 2500 Jahren durch schriftliche Zeugnisse bestens dokumentiert. Diese Sprache ist im Wesentlichen durch die Einwanderung nordischer und persischer Volksstämme  ge-prägt, die schon im 2. Jahrtausend vor Christus stattgefunden hat.

Die Schrift übernahmen die alten Griechen im 9. Jhdt v. Chr. von den Phöniziern, die diese in den beiden Jahrhunderten zuvor aus den ägyptischen Hieroglyphen entwickelt hatten. Wie überhaupt das Vorbild für die meisten Alphabete der Welt, die alle wie unser lateinisches mit A B (C) G beginnen (gr.:= Alpha, Beta, Gamma…; hebr.:= Aleph, Beth, Gimel…; arab.: = Alif, Bai, Ghim…) – die altägyptische Sprachfamilie ist. Auf diesen Ursprung wird später näher einzugehen sein.

Aus dem Griechischen übernahm das Deutsche eine Reihe von Wörtern, vor allem aus dem philosophischen und wissenschaft-lichen Sprachgebrauch: z.B. Mathematik, Politik, Demokratie, Elektrizität, Atom oder Chaos …

 

6.     R o m a n i s c h e   S p r a c h e n f a m i l i e

Zwischen den verschiedenen Zweigen dieses `Astes´ des Sprachenbaumes wurden von Jacob Grimm (1785-1863) eindeutige Regeln der Lautverschiebung entdeckt: Das sind `gesetzmäßige´ Veränderungen von Lauten der Aussprache gemeinsamer Wurzeln, bei denen es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um einen dauerhaften Austausch von meistens Konsonanten. Zum Beispiel einspricht dem [p] in lat.:`pater´ – ein [v] in deutsch:`Vater´ – und ein [f] in engl.: `father´; dem [t] in lat.:`frater´ entspricht ein [th] in engl.:`brother´, ein [d] in deutsch:`Bruder´; usw.

 

6 a    Latein

Auf der italienischen Halbinsel war das Lateinische im 6. Jahrhundert vor Christus eines unter vielen Dialekten. Durch die Expansion des Römischen Imperiums entwickelte sich aus dem Dialekt eines unbedeutenden Stammes im Latinum die bedeutendste Sprache der Antike, die zur sprachlichen Mutter Europas wurde. Das klassische Latein hatte nur eine relativ kurze Blütezeit von 100 v.Chr. bis 14 n.Chr., dem Tod Kaiser Augustus. Auf den Spuren der römischen Legionen verbreitete sich diese Sprache über weite Teile Europas. Bis ins 5. Jahrhundert blieb das nachklassische und später das Spätlatein die allgemeine Umgangssprache. Ab Ende des 6. Jahrhundert veränderte sich das gesprochene Latein des Alltags so sehr, dass hier in jeweiligen Kulturregionen der Übergang zur nachfolgenden romanischen Sprache stattfand. Doch das Erbe des Lateinischen lebte in der Sprache der Priester und Gelehrten fort, denn schon im 2. Jahrhundert hatte es als Kirchensprache das Griechische verdrängt. (Dass die katholische Kirche ihren Gläubigen, die zumeist nicht des Lateinischen mächtig waren, keine Bibelübersetzungen in ihrer Sprache zu lesen gestattete, und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein auch die Messen auf Lateinisch gehalten wurden, gehört allerdings eher zu den unrühmlichen Kapiteln der Kirchengeschichte.)

In West- und Mitteleuropa wurde Latein ab dem 8. Jahrhundert die Sprache der Wissenschaft und lange Zeit die Unterrichtssprache der europäischen Universitäten. Auch heute noch sind die Fachtermini der Wissenschaften international lateinisch (obschon durchaus auch gewisse Fachausdrücke griechischen und arabischen Ursprungs sind). Dies ermöglicht vor allem in der Medizin, aber auch in anderen Fachbereichen, eine internationale Verständigung.

 

6 b    Italienisch

In Italien, dem einstigen Kerngebiet des Römischen Reiches, hat sich die italienische Sprache in größter Anlehnung an die lateinische Muttersprache entwickelt. Bereits aus dem Jahr 960 ist ein zweisprachiges Dokument in Latein und einer Vorform des heutigen Italienisch überliefert. Insbesondere Dante Alighiere (1265-1321) machte mit seiner „Göttlichen Komödie“ den Dialekt seiner Heimat, der Toskana, zur Literatursprache. Die Aussprache des Italienischen ist sehr einfach und es müssen nur wenige Regeln beachtet werden, da die Differenz zwischen Schriftsprache und gesprochener Sprache sehr gering ist. Beim Erlernen der Sprache ist vor allem die komplizierte Konjugation der Verben ein Hindernis. Die Beugung des Substantivs und des zugehörigen Adjektivs ist allerdings durch seine Regelmäßigkeit einfach. Wie im Französischen können Worte nicht zusammengesetzt werden. Das Italienische eignet sich (als aus dem Land hervorragender Künste) besonders für den Gesang. Deshalb sind noch heute Fachtermini der europäischen Musik und Gesangsausbildung zumeist italienisch.

 

6 c    Französisch

Wie alle romanischen Sprachen hat das Französisch seinen Grundwortschatz aus dem Lateinischen übernommen. Es löste im 18. Jahrhundert Latein als Sprache der Höfe und Diplomatie ab. Französisch entfernte sich von allen romanischen Sprachen am weitesten vom Latein. Zwar ist die Rechtschreibung diesem vorbildenden Ursprung noch ziemlich nah, jedoch hat sich die mündliche Sprache ganz anders entwickelt. So bewahrte die Schrift Konsonanten am Wortende, die nicht mehr gesprochen werden, was beim Erlernen der Sprache häufig zu Verwirrung führt. Zum Beispiel das gesprochene “ver” (=Wurm) auch vers (=gegen), verre (=Glas) oder vert (=Grün) bedeuten kann.

Für deutschsprechende Lernende ist auch ungewohnt, dass das Französische im Gegensatz zum Deutschen (allerdings konform mit dem Englischen) das Zusammensetzen von mehreren Wörtern nicht zulässt. Allgemein wird dieser Sprache ein schöner Klang nachgesagt, der auf dem Umstand beruht, dass ein reicher Wechsel zwischen Selbst- und Mitlauten stattfindet.

 

6 d    Spanisch

Die Entwicklung der spanischen Sprache ist eng mit der Geschichte der iberischen Halbinsel verbunden. Von 200 v.Chr. bis 400 n.Chr. stand die Provinz Hispania unter römischer Herrschaft, weshalb der überwiegende Teil des Spanischen aus dem Lateinischen kommt. Auch die Araber, die 711 bei Gibraltar einfielen, hinterließen in dieser, wie in den meisten europäischen Sprachen, viele Spuren (z.B. Worte wie `Algebra, Alkohol, Tarif, Ziffer, Kaffee und Zucker´ …). Erst im 15. Jahrhundert wurden die moslemischen Araber durch die christlichen Heere der Reconquista wieder vertrieben. Wegen der weiten Verbreitung in Süd- und Mittelamerika durch die Kolonialisierung der Spanier, gehört Spanisch auch heute noch zu den meistgesprochenen Sprachen der Welt. Weil diese Sprache eine ziemlich genaue Übereinstimmung von Orthografie und Aussprache aufweist, können Lernende einen spanischen Text schon bald vorlesen.

 

6 e    Portugiesisch

Wegen ihrer langen gemeinsamen Geschichte können Spanier das Portugiesische zwar relativ gut lesen (und andersherum), aber die gesprochene Sprache des Nachbarn nur schlecht verstehen. Nasale Vokale und die starke Betonung der akzenttragenden Silben geben dem Portugiesischen seinen typischen Klang. Als ehemalige Kolonialmacht trugen die Portugiesen ihre Sprache in viele Kolonien. Durch die noch heute gebräuchliche Anwendung als Staatssprache in Brasilien ist die globale Bedeutung dieser Sprache weiterhin groß.

 

6 f    Rumänisch

Die Römer besetzten Rumänien im Jahre 107 n.Chr. und bildeten so die Grundlage für den östlichsten Zweig der romanischen Sprachen. Wenngleich neben Ungarn, der Türkei und Griechenland auch die slawischen Nachbarstaaten den Wortschatz der Rumänen mitprägten, ist der lateinische Einfluss doch eminent. In früheren Jahrhunderten wurde die Sprache in kyrillischen Buchstaben geschrieben. Erst seit dem 19. Jahrhundert wird das lateinische Alphabet verwendet.

 

7.    Albanisch

Diese Sprache blieb im wesentlichen auf das albanische Staatsgebiet beschränkt. In Albanien wird erst seit 1908 das lateinische Alphabet benützt.

 

8.    G e r m a n i s c h e   S p r a c h e n f a m i l i e

Im ersten und zweiten Jahrtausend vor Christus fand durch Lautverschiebung die Abtrennung des Germanischen vom Ur-Indogermanischen statt. Heute existieren zwei Hauptgruppen germanischer Sprachen: Die westliche Gruppe, bestehend aus Englisch, Deutsch, Niederländisch (welches mit dem Flämischen und dem Afrikaans verwandt ist), sowie Friesisch; und die nördliche Gruppe, der Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Isländisch und Färöisch angehören. Ab dem 7. Jahrhundert nach Christus bildeten sich aus dem Urgermanischen der Nordgermanen die skandinavischen Sprachen. Noch heute weisen Norwegisch, Schwedisch und Dänisch große Ähnlichkeiten auf, weshalb sich die Skandinavier immer noch einigermaßen gut in ihren Muttersprachen verständigen können.

 

8 a    Englisch

Das heutige Großbritannien war ursprünglich von keltischen Stämmen bewohnt. Im Jahr 55 v.Chr. eroberte Julius Cäsar mit seinen Legionen die Insel und begründete eine 450 Jahre dauernde Herrschaft der Römer, die allerdings in der Sprache der Kelten relativ wenig Spuren hinterließ. Die Angeln und Sachsen kamen vorwiegend aus dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein. Sie verdrängten in der Mitte des 5. Jahrhunderts die keltische Urbevölkerung aus England, die sich vor allem nach Irland zurückzog. Die Angel-Sachsen beeinflussten mit ihrem westgermanischen Dialekt die Sprache auf der Insel, die weitere Beeinflussung durch den nordgermanischen Dialekt der Wikinger erfuhr, die sich ab dem 9. Jahrhundert verbreiteten. Damals wie heute stehen sich das Englische, Französische und Deutsche ziemlich nahe, woran nicht zuletzt die fast gesamteuropäische Herrschaft `Karls des Großen´ (747-814) erheblichen Anteil haben dürfte. Dieser – durch die Christianisierung – ab dem 7. Jahrhundert bedingte Einfluss wirkt noch heute im lateinischen Sprachanteil nach. Der weitaus größte nachvollziehbare Anteil an der Entwicklung der englischen Sprache stammt allerdings aus der Zeit normannischer Herrscher (ca. 1050-1350), die mit ihren Eroberungszügen das mittelalterliche Französisch ihres Herkunfts-landes – und damit den romanischen Ursprung vieler Wörter mitbrachten. Zur Blüte gelangte das Englische durch die Werke von William Shakespeare (1564-1616) und die „King-James-Bibel“ (1611), was in der Mitte des 17. Jahrhunderts wesentlich zur dauerhaften Etablierung des Neuenglischen beitrug.

Durch die Kolonialpolitik des Empire im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Englische im 20. Jahrhundert zur Weltsprache. Ungefähr die Hälfte aller Menschen der Welt sprechen heute englisch als Staats- oder Zweitsprache. Die Bedeutung wird, nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Vormachtstellung Amerikas, der Popularität englischsprachiger Musik, der Entwicklung des amerikanisierten Internet und des internationalen Gebrauchs dieser Sprache im Flug- und Schiffverkehr– mit großer Wahrscheinlichkeit auch im 21. Jahrhundert eher noch zunehmen.

 

8 b    Deutsch

Während die romanischen Sprachen sich am gemeinsamen `Ast´ Latein zu verschiedenen Zweigen des Sprachbaumes entwickelt haben, verlief die Entwicklung des Deutschen umgekehrt: Es wuchs zusammen aus den Dialekten verschiedener Stämme. Von etwa 750 bis 1050 verlief diese erste Phase des Althoch-deutschen, der eine zweite, hochdeutsche Lautverschiebung vorangegangen war. So wurde beispielsweise aus dem altsächsischen `herta´ – das althochdeutsche `herza´, aus dem das neuhochdeutsche `Herz´ entstand. Der Übergang vom Mittelhochdeutsch fand von 1050 bis 1500 statt. Die Entfaltung des Frühneuhochdeutsch von etwa 1500 bis 1650, wurde insbesondere durch die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg (um 1450) und die Bibelübersetzung von Martin Luther (1522-34) gefördert, wodurch eine einheitliche Sprachverbreitung unterstützt wurde. Ab 1650 spricht man von der Existenz der neuhochdeutschen Sprache, die als Sprache `der deutschen Dichter und Denker´ bald zur Blüte fand. Im Gegensatz zu den anderen germanischstämmigen und romanischen Sprachen, zeichnet sich das Deutsche durch seine Kompositionsfähigkeit aus, die sich aus der Möglichkeit der Aneinanderreihung von Substantiven ergibt.

 

8 c    Finnisch-Ungrische Sprachen

Zum finnisch-ungrischen Sprachzweig gehören diejenigen europäischen Kultursprachen, die nicht indo-germanischer Herkunft sind: das Finnische, Estnische, die Sprache der Lappen und das Ungarische. Dieser Zweig ist für die Sprachforschung deshalb interessant, weil angenommen wird, dass diese Sprachfamilie, die vor etwa 7000 Jahren im Gebiet des Ural verbreitet war, der Ursprache recht nahe stehe. Durch die lange voneinander unabhängige Entwicklung des Finnischen und Ungarischen sind diese Sprachen allerdings inzwischen so verschieden, dass sich Ungarn und Finnen kaum noch in ihren Muttersprachen verständigen können. Im 9. Jahrhundert kamen die Ungarn von Osten her in ihr jetziges Gebiet. Über 800 Jahre lang, (bis 1840), hat das ungarische Parlament seine Debatten in lateinischer Sprache geführt.

 

9.    Baltische Sprachen

Obwohl die überlieferten Schriftzeugnisse nicht so alt sind wie die des Orients, dürfte zumindest das Litauische, der etymologischen Sprachforschung zufolge, ein mit dem Altgriechischen und Sanskrit vergleichbares Alter haben. Eine zeitweilig gemeinsame Entwicklung der germanischen und slawischen Sprachen wird als wahrscheinlich angenommen.

 

10.   Slawische Sprachen

Das Russische hat wegen seiner Rolle als Staatssprache und seiner bedeutenden Literatur das stärkste Gewicht unter den slawischen Sprachen, die alle auf eine gemeinsame Mutter-sprache, das Urslawische, zurückzuführen sind. Die Entscheidung darüber, welche Schrift benutzt wird, bestimmte im wesentlichen die religiöse Zugehörigkeit: Die orthodoxen Slawen schreiben kyrillisch, die anderen lateinisch. Die Trennungslinie verläuft mitten durch die serbokroatische Sprache. Insgesamt stehen sich die slawischen Sprachen einander sehr nahe, näher jedenfalls als das Deutsche dem Englischen.

 

11.  Mongolische, Chinesische und Koreanische Sprachen

Zählen der modernen Sprachforschung die Sprachen zu 1 bis zu 10 allgemein anerkannt zu der großen Gruppe der indogermanischen Sprachen, werden sich zur Erreichung des erklärten Zieles, die allen Sprachen gemeinsamen Wurzeln zu finden, auch für die Verwandtschaftsbeziehung zu den Sprachen zu 11 – in den Spuren von Völkerwanderungen und gemeinsamen Lautquellen – und ganz besonders zu den Sprachen zu 12 Beweise für den gemeinsamen Ursprung aller Sprachen in einer einzigen Ursprache finden lassen.

 

12.    Ägyptisch, Aramäisch, Hebräisch und Arabisch

Im Gegensatz zur häufig vertretenen Lehrmeinung, die die indogermanischen Sprachen als besonders ursprünglich ansieht, wird die gegenseitige Durchdringung und Beeinflussung auch und gerade mit dieser Sprachgruppe deutlich werden. Ohne den weiteren Ausführungen allzuweit vorgreifen zu wollen: diese Sprachen werden sich der Mutter aller Sprachen am nahe- stehendsten erweisen, aus der dereinst das göttliche Schöpfungswort hervorging.

 

13.   S o n d e r f ä l l e

Doch zuvor noch ein kurzer Blick auf die Sonderfälle der Sprachforschung, die sich bislang in kein Schema so recht einfügen lassen wollten:

 

13. a   Baskische Sprache

Als die Sintflut über die Erde hereinbrach und die Meere das Land überspülten, wurde die erste menschliche Hochkultur, von der an anderer Stelle noch ausführlicher zu reden sein wird, weitgehend vernichtet. Nur wenige Erinnerungen überdauerten diese Katastrophe. Da die baskische Sprache keinerlei Verwandtschaft mit den sie umgebenden Kulturen aufweist, kann die Vermutung geäußert werden, dass sich hier, im Schutz der Gebirge der Iberischen Halbinsel, aus vorsintflutlicher Zeit Relikte der ersten Kultur-Epoche der Menschheit erhalten haben. So darf man annehmen, dass das Baskische der vor-noahischen Ursprache ebenfalls relativ nahe steht.

 

13. b   Olmeken, Maya, Azteken, Inka …

Zu den über 8000 Jahre alten Hochkulturen menschlicher Zivilisation in Mesopotamien, Ägypten, Indien und China reiht sich – der erst jetzt mehr und mehr in den Blickpunkt kommende – süd- und mittel-amerikanische Kontinent. Nun, zu Beginn des dritten Jahrtausends, entdeckten Archäologen „Caral“ – die vermutlich älteste Stadt Amerikas in Peru. In Amerika wurden schon lange vor der vermeintlichen`Entdeckung´ durch Kolumbus über 1000 Sprachen gesprochen, deren vielfältigen Einflüsse bis nach Ägypten, Nordeuropa und den afrikanischen Raum zurück verfolgt werden können. Es ist inzwischen unumstritten, dass bereits die Wikinger und vermutlich auch die Phönizier

Jahrtausende vor der (Wieder-) Entdeckung durch die Spanier den amerikanischen Kontinent entdeckt und besiedelt hatten. Zudem fand lange ein reger Austausch der amerikanischen und asiatischen Kulturen über die Inselbrücke zwischen Sibirien und Alaska statt. Jedenfalls bestätigen Archäobiologen die Verwandt-schaft dieser Kulturen anhand des genetischen Erbguts. Joseph H. Greenberg klassifizierte die mehr als 1000 Sprachen im vor-kolonialisierten Amerika in drei Gruppen:

 

„Eskimo-Aleutisch“ (Arktis),

„Na-Dené“ (Nordwest-Amerika -> Navaho- Sprachen)

„Amerind“ (die übrigen).

 

Sowjetische Sprachforscher bestätigten Ähnlichkeiten zwischen der Na-Dené-Familie und den nordasiatischen und kaukasischen Sprachen.

 

13 c   Aborigines

Auf dem Globus des Crate von Mallos (zwischen 180 und 150 v.Chr) ist der australische Erdteil als `Antoikoi´ verzeichnet. In der Kartographie erscheint Australien erstmals bei Pomponius Mela und Petrus Bertius um etwa 40 n.Chr. Damals wurde der Kontinent `Antichtones´ genannt, was etwa `Gegenerdler´ bedeutet.

Die Sprachbegabung der Ureinwohner Australiens ist in der Regel außergewöhnlich: Die meisten von ihnen beherrschen mindestens drei verschiedene Sprachen. Die Kultur der Aborigines kannte ursprünglich mindestens 200 verschiedene, grammatikalisch hoch entwickelte Sprachen und Dialekte. (Heute werden jedoch nur noch etwa 50 dieser Idiome von kleinen Gruppen gesprochen.) Jeder Stamm hatte seine eigene Sprache. Unter den verschiedenen Stämmen verständigte man sich mittels einer inzwischen fast gänzlich vergessenen Zeichensprache. Über Jahrtausende bewahrten sich im Leben der Ureinwohner dennoch bis heute viele gemeinsame Traditionen, wie z.B. die mythologische Schöpfungsvorstellung der `Traumzeit´ und die Erinnerung an den Ursprung aller Aborigines von denselben Ahnen. Die moderne Sprachforschung weiß nur wenig über eventuelle Beziehungen der Aborigines-Sprachen zu den übrigen Sprachen der Welt. Das Alter dieser Kultur, die zweifellos zu den ältesten der Erde gehört, legt jedenfalls eher die Vermutung einer Sprach-verwandtschaft vorsintflutlicher Herkunft nahe, obschon es durchaus auch Anhaltspunkte für frühe Kontakte mit den ägyptischen, chinesischen und südamerikanischen nachsintflutlichen Kulturen gibt.

 

 

Das Wurzelwerk des Ursprachenbaums

 

 

 

 

Hier nun soll die bislang hypothetische Annahme des gemein-samen Ursprungs aller Sprachen der Menschheit zur Gewissheit werden und die Entwicklung aller Sprachen auf die einstige  Ursprache zurück geführt werden.

 

Nostratische Ursprache

Bereits Wladislaw M. Illitsch-Switytsch und Aaron B. Dolgopolsky von der Universität Haifa führten um 1960 drei Viertel aller Sprachen der Weltbevölkerung auf 6 Sprachfamilien einer angenommenen Ursprache zurück, die sie die „Nostratische“ nannten (`noster´: lat.= unser). Diese, `unsere´ nostratische Sprache, soll in der Jungsteinzeit vor 12.000 Jahren gesprochen worden und die Mutter des Indoeuropäischen, Drawidischen (Südindien), Kartwelischen (Süd-Kaukasus), Uralischen (u.a. finnisch), Altischen (u.a. türkisch, mongolisch), Afro-Asiatischen (u.a. arabisch und Berbersprachen) sein. Dolgopolsky hat unter Verwendung etymologisch anerkannter Regeln 1.600 Wurzeln hypothetischer Urwörter des Nostratischen zusammengestellt. Zum Beispiel die nostratische Wurzel „mälgi“:

 

                       Proto-Afroasiatisch          mlk                  saugen, Brust, Euter
                       Proto-Indoeuropäisch:    melg                 melken, Milch
                       Proto-Finno-Ugrisch:       mälke              Brust
                       Dravidisch (Tamil):           melku              kauen, Kehle`
                       Eskimo (Yupik):                melug              saugen
                      Proto-Amerindisch:          maliq`a             Kehle, saugen, trinken

 

 

 

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