Die Obertöne

 

Wie lassen sich die Proportionen der Intervalle und die Klangwelten erzeugenden Ober- und Untertöne in Analogie auf die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen übertragen?

Wenn es tatsächlich Zusammenhänge zwischen der mathematisch-physikalischen Realität und dem seelischen Wesen des Menschen gibt, sollen sie sich uns enthüllen.

Ein Ton ist nicht nur eine Zahl oder ein Teil eines Zahlenverhältnisses, sondern stellt mit seinen Obertönen eine ganze Reihe von Zahlen dar. Denn mit dem Grundton klingen in seinen Obertönen gleichzeitig unzählige Sekundär-Schwingungen mit, die den eigentlichen Klang des Tones bilden.

Klangbild (Ausschnitt)

So etwa sieht in der Gleichzeitigkeit des Klanggeschehens der Klang eines Grundtones aus, nur – jenseits grafischer Darstellbarkeit – ungleich viel diffiziler.

Während der Grundton der Saite einmal erklingt, schwingt die halbe Saite (Oktave) gleichzeitig zweimal, die Drittel der Saite (Quinte) dreimal, die Viertel (Quarte) viermal und so fort.

Weil das Schwingungsverhältnis und das Längenmaß der Saite in reziproker Wechselbeziehung zueinander stehen, ergeben sich als Ausschnitt der sich theoretisch endlos fortsetzenden Unterton- und Obertonreihe am Beispiel des Grundtons „c“ folgende Zahlen-Klang-Verhältnisse:

1 / 1

1 / 2

3 / 4

4 / 5

5 / 6

6 / 7

7 / 8

8 / 9

9 / 10

c

c

g

c

e

g

a

c

d

1 / 1

2 /1

4 / 3

5 / 4

6 / 5

7 / 6

8 / 7

9 / 8

10 / 9

Der 1., 3., 7., 15., 31. (…) Oberton der Tonfolge in der Naturton- oder Obertonreihe ist jeweils der um eine weitere Oktave erhöhte Grundton.

Die Obertöne eines Obertons

In der 1. Oktave klingt noch kein anderer Ton als „c“. Doch in der 2. Oktave schwingen bereits drei Intervalle mit; in der 3. Oktave sind es schon sieben; in der 4. fünfzehn und so fort.

Die Formel, nach der diese Vervielfältigung der Naturtöne erfolgt, heißt:

2 x n + 1

„n“ steht für die Anzahl der Naturtöne der vorherigen Oktave, denn alle neuen Zwischentöne wiederholen sich in jeder weiteren Oktaven – quasi als Obertöne des Obertons.

Innerhalb der weiteren Oktaven erklingen also jeweils auch die zuvor oktavierten Quinten, Quarten, Terzen und Sekunden mit:

Ein überaus dichtes Schwingungsgeflecht!

In 20 Oktaven schwingen schon 1.048.575 Obertöne.

Der Umstand, dass jeder dieser Naturtöne seinen Ursprung in der „Eins“ hat, weist einmal mehr auf deren weltenbildenden Bedeutung hin:

So wie die „1“ in der Mathematik die Basis aller Zahlen ist, erweist sie sich hier als Baumeister des „Klanguniversums“, das als harmonikale Abbildung der kosmischen, ganzheitlichen Wirklichkeit betrachtet werden darf. Nicht ohne Grund bedeutet das lateinische Wort „Uni-versum“

Das Eine in seinen Wendungen“.

Die Digitalisierung der Musik – ihre gänzliche Übersetzung in Zahl durch das binäre System von Leibniz – ermöglicht zwar tausendfach Visualisierungen von Parameterdarstellungen und messtechnischen Funktionen in unterschiedlichstem Design und in Farbe, aber letztlich können diese modernen bildgebenden Verfahren die Frequenzen des Klanges nur höchst begrenzt darstellen, indem sie ausschnittartig einzelne Parameter und Aspekte der ungleich komplexeren Klangwirklichkeit sichtbar machen.

                               dB

                                                                                                                                Hz

Klangspektrum

Das Klangspektrum zeigt die Lautstärkeverteilung der Obertöne. Ganz links ist der Erzeuger- oder Grundton. Jede Spitze entspricht einem Oberton, je höher die Spitze, desto lauter der Teilton, denn nach oben verläuft die in Dezibel (dB) gemessene Lautstärke, nach rechts die Frequenz der Tonhöhe.

Spektrogramm

Das Spektrogramm macht den Grundton und jenen Teil der Obertöne als Wellen sichtbar, die im hörbaren Bereich des Menschen liegen. Von Links nach Rechts werden die Frequenzen höher.

Sonogramm

Im Sonogramm entspricht jede der Linien einem Oberton (wobei allerdings nur ein kleiner Ausschnitt der Klangwirklichkeit angezeigt wird, weil die meisten Obertöne außerhalb des messtechnischen Bereichs liegen).

Ganz unten ist der Grundton. Nach oben hin erhöhen sich mit der Tonhöhe die Frequenzen. Die Farbintensität (bzw. der s/w-Kontrast) zeigt die Lautstärke an. Die Zeit läuft von links nach rechts.

Doch immer bleibt eine Klangvisualisierung wie ein Foto:

das zweidimensionale Abbild einer dreidimensionalen Wirklichkeit. Dies umso mehr bei der Realität des Klanges, der als raum-zeitliches Ereignis sogar vierdimensional ist. Wir wissen nicht, ob er darüber hinaus womöglich noch in weiteren Dimensionen schwingt, von deren Existenz wir bislang keine Ahnung haben.

Die Multidimension des Klanges

Die Obertonreihe des Klanges ist also nur sehr begrenzt abbildbar. Sie ist auch nicht linear zu hören – sondern höchstens philosophisch zu denken. Denn in seiner Komplexität schwingt der Klang zu weitaus größerem Teil jenseits der menschlichen Hörfähigkeit und Wahrnehmung. Er ist holographisch, räumlich und dynamisch.

Tatsächlich reicht die Bandbreite seiner Schwingung – weit außerhalb jeder grafischen oder akustischen Darstellbarkeit – bis in die Unendlichkeit des Alls und die zellularen Strukturen des biologischen Körpers.

Je nach der geistigen Intensität des Bewusstseins, das einen Klang in Schwingung versetzt, bringt dieses Klangereignis mehr oder weniger heftig alles in Mitschwingung, was als Wellenlänge zur Resonanz dieses Klangs (oder Missklangs) fähig ist. Sein Schwingen bringt alles ihm Ähnliche in Resonanz und seine Mitschwingungen dehnen sich – wie die Ringe eines ins Wasser geworfenen Steines – bis ans Ende des Universums kugelförmig als Schall aus, von wo er zu seinem Ursprung zurückkehrt.

Soweit sich der Mensch als Schwingungswesen sich selbst bewusst ist, wird er die Resonanz seiner Gedanken, Worte und Taten erkennen, die er einst aussendete und die nun wirkend zu ihm zurück kehren. Hermes Trismegistos nannte dies das Resonanzgesetz und das Prinzip von Ursache und Wirkung. Wir selber ernten unsere Saat.

Der Klang ist eine Erregung im morphogenetischen Feld der Matrix des Lebens, in der er alle zur Mitschwingung fähigen Frequenzen anregt und berührt.

Die Schallwellen des Klanges resonieren also im Großen mit den entsprechenden kosmischen Klängen der Sphären – und schwingen im Kleinen energetisch mit den Frequenzen des subatomaren Mikrokosmos.

Gleich, ob sich die Schwingung als Wasser-, Licht- oder Schallwelle durch die 4 Elemente (Erde, Wasser, Luft und Feuer) oder dem fünften Element, dem Akasha-Äther fortsetzt: Das Schwingungsverhalten ist universell.

Gleichgültig ob die Gravitationsfelder der Weltenkörper, das Magnetfeld der Erde oder die Teilchen-Schwingungen und Pulsationen in den atomaren und subatomaren Bereichen:

Alles Schwingen im All ist eine einzige kosmische Harmonie und in Hertz messbare Frequenz.

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