Die Teilung der Ursprache

 

Hören wir, was die Schrift „M`arrat gazzê“ (`Die Schatzhöhle´) von Ephraim dem Syrer aus dem 6. Jahrhundert über das Ereignis der „Babylonischen Sprachverwirrung“ zu berichten weiß:

 

“Und in den Tagen des Peleg (ein Enkel des Noah-Sohnes Sem) wurde der Turm in Babel gebaut, und dort wurden ihre Sprachen verwirrt, und sie wurden von dort zerstreut über die ganze Erde. Und dieser Ort ward Babel genannt, weil dort die Sprachen verwirrt wurden. Und nach der Trennung der Sprachen starb Peleg in großer Trauer, Tränen in seinen Augen und Traurigkeit in seinem Herzen, weil in seinen Tagen die Erde geteilt worden war.“

 

 

 

 

Dass Menschen in grauer Vorzeit Ziegel strichen um einen Turm zu bauen, kann nicht wirklich der Grund für dieses einzigartige Geschehen in der Menschheitsgeschichte gewesen sein, das bis auf den heutigen Tag nachwirkt, indem die Menschheit seither nicht mehr die innere Bedeutung der Worte versteht und eben nicht mehr dieselbe ganzheitliche Sprache spricht.

 

Im Südosten Irans, in der Gegend von Sistan und Kerman, lebte ein arisches Volk, das bereits im 4. Jahrtausend v.Chr. über eine hoch entwickelte Kultur und Zivilisation verfügte. Dieses Volk, aus dem vermutlich die Perser hervorgegangen sind, pflegte intensive Beziehungen mit Mesopotamien. Der Begründer des meso-potamischen Weltreiches aber war `Nimrod´ (babylonisch: `Enmerud´), ein Urenkel Noahs, ein Enkel Hams, der erste Sohn von Kusch (dem Urvater der Ägypter):

 

„Der war der erste, der Macht gewann auf Erden, und war ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn. Daher spricht man: Das ist ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn wie Nimrod. Und der Anfang seines Reichs war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Lande Schinar.“ (1 Mose 10, 8-10)

 

Was es bedeuten mag, dass vor jenem Nimrod kein Mensch Macht hatte auf Erden, lässt sich aus dem folgenden Geschehen wohl nur so erklären, dass diese (Eigen-)„Macht“ eine Erhebung des menschlichen Egos über Gott war, die schließlich zur bipolaren Entzweiung des bis dahin ganzheitlichen Bewusstseins führte. Deshalb auch ist Nimrod „vor dem Herrn“, denn er ist nicht mehr in Ihm. Keine der alten Sprachen war nach dem Ereignis, das unter dem Bild des `Turmbaus zu Babel´ Einzug in die Historie fand, noch rein erhalten.

 

 

 

 

Es ist wahrscheinlich, dass die einstmals vollkommene Sprache der Innerlichkeit sich derart teilte, dass – zum Preis des Verlustes der einstigen Ganzheitlichkeit – nun bestimmte Aspekte in verschiedenen Sprachen separiert bewahrt wurden. So erhielt zum Beispiel das Sanskrit mehr als andere Sprachen das Wissen um die Kraft der Laute, das Ägyptische die bildhafte Entsprechung der Zeichen, das Hebräische (und Arabische) die Beziehung des Buchstabens zur Bedeutung der entsprechenden Zahl.

 

Die Frage, wie sich innerhalb von 400 Jahren die Familien der drei Söhne Noahs, Sem, Ham und Japhet, zu vielen Völkern vervielfältigen konnten, verdeutlicht das altbekannte Rechen-exempel mit den 64 Feldern des Schachbretts: legt man auf das erste Feld ein Getreidekorn und auf jedes darauf folgende doppelt soviel wie auf das vorherige, lägen auf dem 64ten Feld eine solch astronomische Anzahl Körner, die die gesamte Weltgetreide-produktion um ein Vielfaches übersteigen würde. Von Noah auf Abraham (der 294 Jahre nach der Flut geboren worden sein soll) sind es 12 Generationen, durch die sich – bei dem hohen zeugungsfähigen Alter der damaligen Menschen und der großen Kinderzahl der einzelnen Sippen – die Bevölkerung ohne weiteres auf mehrere hundert millionen, ja milliarden Erdbewohner hätte vermehren können.

 

Der Thora zu folgen, sprach noch Abraham die Ursprache, die ihn von seinen Vor-vätern und -müttern der semitischen Abstamm-ung des Noah-Sohnes Sem überkam, bis zu seinen Lebzeiten in Babylon der `geistige Turmbau zu Babel´ stattfand. Gott rief Abraham aus Ur in Chaldäa, dem heutigen Kuwait, und schloss mit ihm einen Bund, der ihn zum Stammvater der Israeliten und Moslems – wie zum geistigen Stammvater der Christen machen sollte.

 

„Da nahm Terach seinen Sohn Abram und Lot, den Sohn seines Sohnes Haran, und seine Schwiegertochter Sarai, die Frau seines Sohnes Abram, und führte sie aus Ur in Chaldäa, um ins Land Kanaan (Palästina) zu ziehen.“

 

Etwa 1200 Jahre später (ca. 900 v.Christi Geburt) gründeten die Stämme der Chaldäer am Westufer des Euphrat mehrere kleine Staaten (Emirate), die sie gegen die Eroberungsversuche der damals großen Staaten Assyrien und Babylonien verteidigen konnten. Ihr Widerstand war so erfolgreich, dass 300 Jahre später ein Chaldäer den Königsthron von Babylonien bestieg. Sein Sohn, Nebukadnezcar II, wurde der bedeutendste König der Chaldäer (den heutigen Kuwaitern) und Babylons. Nebukadnezcar (Ne Bouche Kadne Zcar = Es gibt keinen Gott außer mir, dem König) eroberte Juda und zerstörte Jerusalem, raubte den Tempelschatz und führte den größten Teil des `Gottesvolkes´ in die Gefangenschaft nach Babel. In der babylonischen Gefangen-schaft erlernten die Hebräer die aramäische Sprache, die sie auch beibehielten, als sich etwa 60 Jahre später die Prophezeiung Jesajas erfüllte: Kyrus, der König der Perser, eroberte Babel und befreite die Israeliten. Hebräisch wurde bald nur noch bei religiösen Zeremonien gesprochen. So ist die Geschichte der Chaldäer in Mesopotamien mit der des Volkes Israel, wie mit allen orientalischen Reichen eng verknüpft.

 

 

Weiterlesen:  „ARAMÄISCH – DIE MUTTER ALLER SPRACHEN?“

 

 

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