Die U(h)rzeit

kosmische-rhythmen-uhr

 

Um Antwort auf die Frage zu finden, wie spät es ist, soll hier zunächst untersucht werden, was `Die Zeit´ so eigentlich ist. Die Beantwortung dieser Frage wird uns in die Weiten des Universums zu der `großen Sternenuhr´ führen, die mit ihren kosmischen Rhythmen auch den Gang der Erde nach dem genauesten Plan jenes `Uhrmachers´ bestimmt, der dieses große Uhrwerk in Bewegung versetzte.

Im Verlaufe dieser Betrachtung der Zeit wird vor unseren Augen eine neue, funktionale Uhr entstehen, die nicht nur die bloße Quantität der Zeit anzeigt, sondern auch deren qualitativen Wert.
 

Die Geschichte der Zeitmessinstrumente brachte im Laufe der Zeit – mit dem Ziel einer möglichst genauen Zeitmessung – die großartigsten Uhrwerke zu Tage. Am Anfang stand wahrscheinlich ein einfacher Stock, der, in die Erde gesteckt, im Sonnenlicht einen Schatten warf, – eine Erfindung, die den Ägyptern zugeschrieben wird. Für die Zeitmessung in der Dunkelheit erfanden sie die Wasseruhr: ein Topf mit einer Skala am Innenrand und einem kleinen Loch, durch das Sekunde für Sekunde – Tropfen für Tropfen – unaufhörlich das Wasser rann. Im Gegensatz zur Sonnenuhr musste die Wasseruhr allerdings gewartet werden: Die verantwortungsvolle Aufgabe der `Wächter der Zeit´ war es, nach `Ablauf der Zeit´ (Ein Begriff, der sich von diesem Instrument herleitet) den Behälter neu mit Wasser zu füllen. So war diese Uhr zugleich ein Sinnbild für die Vergänglichkeit der Zeit. Erst im 17.Jahrhundert wurde die Genauigkeit der Sonnen- und Wasseruhr durch mechanische Uhren erreicht.
 

Das `Astrolabium´ wurde etwa 150 v.Chr. von griechischen Gelehrten entwickelt und war bis ins 16.Jahrhundert das wichtigste Instrument der Astronomen. Dieser `Rechenschieber des Himmels´ ist eine Metallscheibe mit den Positionen der wichtigsten Fixsterne und dem Tierkreis. Ein manuell zu justierender Zeiger ermöglicht die Inbeziehungsetzung der Skalen und Positionspunkte. So lassen sich beispielsweise Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Sternen, oder aus der Position eines Gestirns das Datum bzw. die Zeit ermitteln.
 
Die Entstehung der mechanischen Uhr, die zuerst etwa im 13. Jahrhundert aufkam, ist ungeklärt. Mit ihrem Antrieb durch Gewicht und Gegengewicht repräsentiert sie die beiden Pole, deren Wechselspiel das Bewegungs-Prinzip der Erde und alles auf ihr ist.
 
Bis zur Einführung der Zeitzonen Ende des 19.Jahrhunderts galt die jeweilige Ortszeit. Diese war – nach dem senkrechten Stand der Sonne, die an jedem Ort 12:00:00 Uhr mittags – gemäß der Rotation der Erde – entsprechend unterschiedlich, und zwar um 4 Minuten pro Längengrad.

(360° : 24 h = 1°/4 min. pro Längengrad)

Wegen der Drehung der Erde nach Osten gehen die Ortszeituhren je östlicher, umso weiter vor. Bis 1893 galt z.B. in Bayern die Münchener Ortszeit und in Berlin die Berliner Ortszeit. Da Berlin knapp 2° östlicher als München liegt, gingen dort die Uhren 7 Minuten gegenüber den Uhren in München vor.

Die grundsätzliche Übereinkunft der Länder der Erde, ein System von 24 Zeitzonen mit einer Ausdehnung von jeweils 15 Längengraden zu gebrauchen, führte zu der jetzigen Angleichung der Zeit innerhalb der 24 Zeitzonen, die in westlicher Richtung jeweils eine Stunde (24 h : 360° = 1 h : 15°) nach geht. Der Nullmeridian der Welt verläuft durch die alte Sternwarte von Greenwich: Wenn dort am 31. Dezember um 0:00:00 Uhr Sylvester ist, ist das neue Jahr in Neuseeland schon 12 Stunden alt und im äußersten Nordwesten der USA dauert es bis zum Jahreswechsel noch 12 Stunden. Würden wir in Neuseeland eine 24 stündige Weltreise starten und mit dem Flugzeug nach Westen fliegen, könnten wir zu jeder Stunde (insgesamt 24-mal) das neue Jahr begrüßen.

Die Zeitsignale der 24 Zeitzonen der Welt werden vom `Bureau International de I´Heure´ koordiniert. Sie basieren auf dem Durchschnittswert von etwa 80 Atomuhren in 24 Ländern. 1972 wurde die Atomzeit als weiteres Zeitmaß eingeführt. Sie orientiert sich an den Eigenschwingungen des Cäsiumisotops 133 mit 9 192 631 770 Hertz pro Sekunde. Die jährliche Ungenauigkeit des Basiswertes der modernen Weltzeit beträgt etwa eine Milliardstelsekunde. Es können nunmehr die jährlichen Diskrepanzen der Erdbahn gemessen und Ungenauigkeiten zwischen der Atom- und der Erdzeit ausgeglichen werden. Eine Cäsium-133-Uhr hat eine Ganggenauigkeit von nur einer Sekunde Abweichung in 3 Millionen Jahren.
 
Was diese Präzision der Zeitmessung für enorme Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung hatte, verdeutlicht die industrielle Revolution (die im 19 Jahrhundert begann und gleichfort in manchen Teilen der Welt, z.B. in Indien und China, noch heute stattfindet), die ohne die Erhebung der Uhr zum lebensrhythmus-bestimmenden Faktor, nicht vorstellbar gewesen wäre.

Seitdem wandelte sich das Wort „Zeit ist Leben“ in „Zeit ist Geld“. Die Uhr bestimmt den Takt der Arbeit in der industrialisierten Gesellschaft. Nach ihrem Gang richtet der Mensch der Welt sein Leben und viele haben den Rhythmus ihrer inneren Uhr inzwischen gänzlich vergessen, weil sie vor lauter Sorge um materiellen Wohlstand den Anspruch ihrer Seele auf ein gerechtes Maß an Zeit ignorieren. Die Zeit scheint immer schneller zu werden. Darin liegt der eigentliche Grund für die zahlreichen `Zivilisations-Krankheiten´, mit denen sich die vernachlässigte Seele dem Menschen spürbar macht, um ihn dadurch von allzu großer Weltsorge zu entbinden und frei zu machen vom versklavenden Sekundenschlag der weltlichen Uhr für die Hinwendung nach Innen. Der römische Dichter Vergil mahnte schon vor mehr als 2000 Jahren vor dem verfluchten Hunger nach Gold („Auri sacra fames“) und ergänzte: Gott hat uns die Muße geschenkt („Deus nobis haec otia fecit“).

Das in der heutigen Zeit der Globalisierung  sichtbar gewordene Phänomen, dass uns die Zeit zu enteilen droht, da sich das tägliche Leben immer weiter beschleunigt, erzeugt Stress. Die Menschen schlafen durchschnittlich weniger, essen schneller und fühlen sich immer gehetzter. 24 Stunden sind einfach nicht mehr genug für alle Aktivitäten, die der moderne Mensch an einem Tag erledigen will. Es bleibt kaum mehr Zeit zur besinnlichen Reflektion und Erholung. Stress und Burn-Out gelten inzwischen schon als Statussymbol.
 
Forschungsinitiativen wie z.B. die Chronobiologie zeigen die direkten Zusammenhänge zwischen der Zeit und den biologischen Vorgängen auf. Seit Erfindung des elektrischen Lichtes ist der natürliche Rhythmus von Tag und Nacht – wie die zyklische Periodik der Frau gestört. Funktions- und Regulationsstörungen, energetische Blockaden und Krankheiten sind die Folge einer allzu hektischen Rastlosigkeit. Fast die Hälfte aller Verkehrs- und Arbeitsunfälle werden auf Übermüdung zurückgeführt. Vielfach werden Medikamente und Aufputschmittel eingesetzt, um den vermeintlichen Ansprüchen der Leistungsfähigkeit zu genügen. Gestörte innere Rhythmen lassen viele ohne Beruhigungs- oder Schlafmittel nicht mehr zur Ruhe kommen. Die Pharmazie bedient diesen wachsenden Markt, ohne wirklich zu helfen, indem sie immer nur neue Bedürfnisse nach chemischer Leistungssteigerung weckt. Eine Medizin, die sich der Herkunft dieses Wortes erinnern würde (= „in die Mitte führen“), würde dem Menschen in verantwortlicherem Umgang mit sich selber Hilfe leisten. Die Wahrnehmung der inneren Uhr seines Körpers und die Herstellung des Einklangs mit ihr, würde trotz geringeren Arbeitszeitaufwandes eine größere Leistungseffektivität erzielen. Denn was nützt es, trotz größter Anstrengung, ausgebrannt nichts mehr geregelt zu bekommen?

Zwar ermöglicht der Gang der Uhren der Welt den globalen technologischen Fortschritt, doch nicht den der Entwicklung des seelischen inneren Wesens.
 
Somit ist festzustellen, dass die Zeit eine `äußere´ und eine `innere´ Dimension hat. Der Unterschied zwischen der äußeren und inneren Zeitqualität drückt sich etwa einerseits in einem zeitplanmäßig effektivstem Raubbau an der Erde aus, zum schnellst- und höchstmöglichen wirtschaftlichen Profit des Augenblicks für die Aktionäre der Gesellschaft (mit beschränkter Haftung), wobei die Sorge um das Gemeinwohl oder die nachfolgenden Generationen immer weniger irgendeine Rolle spielt, und andererseits in einem verantwortlichen Umgang mit sich selbst, den Anderen und mit den Ressourcen der Erde. Zwar nahm das Wissen über den physikalischen Aufbau der Materie und des Körpers ständig zu, und wurden in den letzten 150 Jahren mehr weltverändernde Erfindungen gemacht als in den 5000 Jahren zuvor, aber zu welchem Preis? Der Mensch, der die letzten fünf Generationen diesen Planeten bewohnte, wird der zukünftigen Menschheit wohl als `Zauberlehrling´ (J.W.v. Goethe) erinnerlich bleiben, der Prozesse in Gang setzte, die er nicht beherrschte und nicht rückgängig machen konnte. In gleichem Maße, wie der Mensch in übermäßiger Ausrichtung auf die äußere Zeitqualität die materielle Welt ergriffen hat, verlor er zunehmend mehr die Fähigkeit zur Wahrnehmung der Qualität seines inneren Wesens, die – oft zu spät – erst durch Krankheit und Auseinandersetzung mit dem Sterben wieder in den Blickpunkt gerät.
 
Oder auch verhält sich die äußere zur inneren Qualität der Zeit, wie die Hektik eines gefüllten Terminkalenders zur intuitiven Erfassung des richtigen Augenblicks, in dem man mehr zu schaffen vermag, als in hundert gestressten Terminen.

Die nach außen gerichtete Suche nach (vergänglichen) materiellen Werten geht einher mit dem Verlust der lebendigen Erfahrung der innerlichen (ewigen) Reichtümer. Diese Veräußerlichung des Bewusstseins führt zu einem weitest gehenden Vergessen der Ganzheitlichkeit des Menschen als Körper, Seele und Geist, denn dieser Zug der Vermaterialisierung des Bewusstseins steht der eigentlichen Lebensaufgabe des Menschen, der Vergeistigung seiner Seele, diametral entgegen. Wenn sich also die Seele so in das Körperbewusstsein hinein versenkt hat, dass sie ihren geistigen Ursprung vergaß: Wie soll sie dann den Weg über den Tod hinaus in die Freiheit des Geistes finden? Womit wir uns identifizieren, das sind wir dann auch. Wenn ich mich – anstatt für den Fahrer – für mein Auto halte, darf ich mich nicht wundern, wenn ich irgendwann verschrottet werde.
 
Die Rückbesinnung auf die innere Qualität der Zeit wird Jedem, entsprechend dem persönlichen Entwicklungsstand seiner geistigen Bewusstwerdung, seine ganz persönliche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zeigen, die von der Entwicklung der übrigen Menschheit und dem Gang der Uhren der Welt völlig verschieden sein mag. Somit versteht sich diese Kosmogonie der Zeit auch als Rückerinnerung an die fast vergessene Einheit von Körper, Seele und Geist.

 

Andreas Klinksiek

Auszug aus dem neuen Standardwerk der Human-Energetik:

f r e e   f l o w   e n e r g y

Die Heilkraft der Farben und Klänge

 

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Alles ist Energie, Schwingung,

Licht, Klang und Bewusstseinskraft.

 

Seitenanzahl: 216

Größe: 14,8 cm x 21,0 cm

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Paperback   16,00 €  (inkl. MWSt.)     ISBN 978-3-7345-0274-3

Hardcover   24,00 €  (inkl. MWSt.)    ISBN 978-3-7345-0275-0  

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