Quantitatives Wissen und qualitativer Sinn

denken

 

 

Allem Sein innewohnend wechselwirken Innen und Außen gemäß dem Gesetz der Analogie.

Das ist das universelle Analogiegesetz:

 

Allem Äußeren wohnt ein innerlicher Sinn inne.

Alles Quantitative birgt eine Qualität.

 

Jede Zahl ist nicht nur quantitativer Wert, sondern trägt auch eine innere Bedeutung in sich. Jeder Buchstabe, jedes Symbol hat nicht nur eine äußerliche Verständnisebene, sondern auch einen innerlichen, energetischen Sinn. Den äußerlichen, quantitativen Wert erfasst der Verstand durch „Zählen, Wiegen und Messen“; den inneren qualitativen Wert erfasst die Intuition durch Erkenntnis im Glauben und Fühlen des Geistes. Gefühl und Verstehen sind die beiden Flügel der Seele. Der äußerlichen Betrachtung bloßen Verstandeswissens – ohne das intuitive Herzverstehen – muss der innere Sinn verborgen bleiben. Ohne die Erkenntnis der innewohnenden geistigen Qualität der äußerlichen Symbole bleibt alles Wissen nur statisch.

 

„Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“

(2 Korinther 3,6)

 

Indem der allbelebende, vollkommene Geist ignoriert und das ewige seelische Sein aus der Betrachtung ausgeschlossen werden, kann es kein ganzheitliches Verstehen geben, denn für die inneren Werte hat der Verstand kein Maß.

 

Das „Höhlengleichnis“ Platons ist eine Beschreibung für die bloß äußerliche Wahrnehmung des Verstandes, der die lichte Wirklichkeit des Seins lediglich als Schattenbilder wahrnimmt. Deshalb soll es bei den Interpretationen überlieferter Bildersprache nicht nur um eine bloß quantitative Betrachtung des Menschen, seiner Welt und des Universums gehen, sondern zugleich der Versuch des Herzverstehens unternommen werden, (wenngleich uns bewusst ist, dass auch die Deutungen mystischer Menschheits-Analogien in symbolischen Buchstaben formuliert sind, die wieder nur Schattenbilder der Wirklichkeit sind).

 

Warum wird der Verstand irre an den Heiligen Schriften der Menschheit? Weil sie in Analogien – in Bildern eines inneren Entsprechungssinns – sprechen, die der Deutung bedürfen.

 

Da mag es vorkommen, dass Jemand, der am äußerlichen Buchstaben klebt, es wortwörtlich nimmt, dass Gott tatsächlich die Schöpfung in sechs Tagen erschaffen habe – bereit, erbittert für diese vermeintliche Wahrheit gegen die „Ungläubigen“ zu kämpfen.

Dogmatiker der Religionen oder esoterischen Glaubensrichtungen versteigen sich soweit, dass sie meinen als „Lichtkämpfer“ die Rechte Gottes verteidigen zu müssen (als hätte Dieser ihre Hilfe nötig).

Dogmatiker der wissenschaftlichen Verstandesschulen hingegen glauben sich im Namen der Rationalität berufen – mit den „Kreationisten“ gleich alle Gläubigen bekämpfen zu müssen – und gar Gott Selber als Irrtum abzutun.

 

Woher kommt diese Spaltung des menschlichen Bewusstseins in einen quantitativen äußeren – und einen qualitativen inneren Sinn? Worin liegt der Grund für diese Trennung in eine verstandesgemäße Scheinwelt und die innergeistige Wirklichkeit? War das schon immer so?

 

Tatsächlich berühren wir hier den tiefsten Grund allen Irrtums, der allem menschlichen Leid zugrunde liegt.

 

Denn alles Leid des Individuums und der Welt entsteht aus der (zumeist unbewusst) tief empfundenen „Schuld“ des Sich von Gott getrennt Erlebens. Und wirklich gibt es keine andere Sünde und keine andere Schuld als diese eine nur: der vermeintlichen Trennung vom Göttlichen in sich selbst.

 

Alle weiteren Schuldzuweisungen, Selbstbeschuldigungen, aller empfundener Mangel und alles vermeintliche Leid haben hier ihre Wurzel und ihren Grund: die Leugnung der Einheit mit Gott und der Ewigkeit der eigenen Seele. Aus diesem „Grundübel“ (von den Weltreligionen auch „Erbsünde“ genannt) erwachsen alle anderen Schuldgefühle, als da beispielsweise sind: Angst, Trauer, Neid, Minderwertigkeit – als Folge eines sich Selbst und den Anderen Nichtvergebenkönnens.

 

Das Problem der Beschreibung der Ursache des Sturzes aus der Einheit mit Gott, den Anderen und sich selbst besteht in der Unmöglichkeit des Verstandes, die einstige Ganzheitlichkeit des Seins zu verstehen, weil er dafür keine Begrifflichkeit hat.

Das verhält sich ähnlich mit Worten wie „Liebe“ oder „Wahrheit“: man kann sie nur insoweit verstehen, wie man selbst „die Liebe“ erfahren – oder „die Wahrheit“ erkannt hat.

Weil der qualitative Sinn dem quantitativen Verstehen verschlossen bleibt, sprechen die alten Weisen, Propheten und Seher in Analogien. Dass diese Analogien in den unterschiedlichen Kulturen, Religionen oder Weltanschauungen einen ähnlichen Sinngehalt jedoch völlig verschiedenen ausdrücken – im alten Ägypten anders als im alten Indien, China oder Persien – erschwert das Verstandesverstehen zusätzlich.

Für Metaphern der ägyptisch-jüdisch-christlichen Religion haben andere Religionen nicht weniger treffliche Bilder (die einander nicht ausschließen – sondern vielmehr ergänzen). Doch muss der Normalverstand an diesen Sinnbildern verrückt werden, weil er weder von der inneren Symbolsprache der Metaphern, noch von Liebe oder Ewigkeit etwas versteht.

 

Wenn bisher vom Verstand etwas abfällig als dem bloßen „Organ des Zählens, Wiegens und Messens“ gesprochen wurde, dann meinte dies lediglich die unterste Sprosse der Leiter des sich zur Vernunft hinaufdenkenden Verstehens, die mit der Fähigkeit zur Erkenntnis der Wahrheit, der Weisheit und der Erleuchtung noch viele Sprossen des geistigen Aufstiegs bereit hält.

Auf einer höheren Erkenntnisebene erlangt der Verstand die Fähigkeit zur Abstraktion und die Analogien zu deuten und zu entschlüsseln.

Deshalb sprechen die Weisheitslehren der Menschheit (gleich welcher kulturellen, religiösen oder spirituellen Anschauung) in Entsprechungsbildern, die dem (noch über der höchsten Mentalebene liegenden) Supramental entstammen, um auf diese Weise dem veräußerlichten Bewusstsein des sich von Gott und sich selbst entfremdeten Verstandes durch Abstraktion der Analogien ein Verstehen des innerlichen Sinns der Bilder und Symbole zu ermöglichen.

 

Was teilen uns die Metaphern der verschiedenen Schulen des Glaubens über den Grund mit, warum der Mensch aus seinem einstigen ganzheitlichen Bewusstsein des Eins mit Allem Seins, (das bis auf den heutigen Tag die Wiege aller menschlichen Kultur und Wissenschaft ist), in die bloß äußerliche Sichtweise des Sich von Gott getrennt erlebenden Verstandes hinabstieg?

 

Das altchinesische I Ging und die altindische Weisheit der Veden stellen den Grund anders da, als die mythologischen Bilder Zarathustras, des Judentums oder des Christentums. Legt das I Ging eher nüchtern geometrisch-mathematisch wert auf die Hinweisung der Einheit der Zweiheit (Yin und Yang), zielt die indische Mystik ganz konkret auf den Weg der Rückfindung zur Einheit mit der Göttlichkeit des Atman, der allem Lebenden innewohnt.

Die Analogien hebräischer, zarathustrischer, christlicher und islamischer Tradition hingegen weisen einen entsprechungsreichen Bilderreichtum auf, der zugleich mit dem Grund für das Getrennterleben der Wesen – auch die Entstehung der Universen – erklärt.

 

 

ANDREAS KLINKSIEK

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