Das Erleben mit meinem Dual

Gibt es etwas Schöneres als Dich endlich gefunden zu haben,
Du zweite Hälfte meines Herzens, Vervollkommnung meiner Seele?
Nein, keine irdische Vorstellung und Erwartung des Verstandes 
kann hier Antwort geben, sondern allein die reine, bedingungslose Liebe.

 

Vor einigen Jahren trieb mich die Sehnsucht nach Gott, jener universellen Kraft, die so Unbeschreibliches wie den Kosmos hervorbringt, zum Lesen vieler Bücher, die sich hauptsächlich mit dem „Sinn des Lebens“ und den Themen der „Spiritualität“ beschäftigten. Das erste Buch, dessen Verfasser sich mit Jenseitskontakten beschäftigte, hieß „Licht hinter dem Schleier“. Ich wusste bereits aus innerer Erfahrung, dass der Tod kein Ende, sondern ein Übergang ist. Ein Todesfall in der Familie ließ mich nach tieferem Verständnis suchen, was mich zu Medien mit der Fähigkeit führte, Kontakte zu Seelen herzustellen. Doch die Aussagen waren mir zu vage, noch dazu lernte ich, dass längst nicht jede Seele bereit ist, sich zu öffnen. Ich nahm an Seminaren und Vorträgen über Engel teil und beschäftigte mich mit allem, was mir die geistige Wirklichkeit irgendwie näher bringen konnte. Zwar fand ich darin einen roten Faden, doch nicht die Erfüllung meiner Sehnsucht, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal in Worte fassen konnte.

In der Zeit, als ich mit einer Gruppe medial veranlagter Menschen zusammen arbeitete, die sich intensiv mit Botschaften aus der geistigen Welt beschäftigte, begann ich zu schreiben. Dabei konzentrierte ich mich auf die inneren Bilder vor meinem geistigen Auge oder formte Texte aus den Worten, die ich empfing. Es waren für mich tiefe Botschaften aus dem geistigen Reich, die sich mit meiner momentanen Entwicklung, aktuellen Geschehnissen oder Menschen beschäftigten, auf die ich traf. Wie von allein flossen im Lauf der Zeit Weisheiten über die Innenwelten und ein vielfältiges Schöpfungswissen aus meiner Schreibfeder. So fand ich in mir die Basis der göttlichen, allumfassenden Liebe.

Leider begann diese Gruppe bald – wie alle Gruppen, in denen sich das menschliche Ego zu verherrlichen sucht – sich im Spiel der Licht und Schattenwelten zu verlieren, indem man glaubte den Schatten bekämpfen zu müssen, anstatt ihn zu erkennen und in Liebe anzunehmen, so wie er ist. Deshalb verließ ich diese Gruppe nach ein paar Jahren und begann, auf eigenen „geistigen Füssen“ zu stehen. So lernte ich mein unerschütterliches Urvertrauen kennen, welches mir mit einer in mir wohnenden klaren und alles übertönenden Stimme, die keinen Platz für Zweifel ließ, stets wachsende Standfestigkeit verlieh. Sie sprach: „Alles ist gut. Nimm es an wie es ist und bleibe wertfrei.“ So erfüllte mich ein völliges Gottvertrauen, das sich anfühlte wie ein uralter Baum mit herrlicher Krone, scheinbar in den Himmel wachsend.

Auf dem weiteren Weg lernte ich die unterschiedlichsten Menschen kennen, die alle auf der Suche waren: nach sich Selbst, nach Gott und nach Liebe. Viele waren darunter, die mit Gott und der Liebe haderten, weil sie sich allein gelassen, betrogen oder verletzt fühlten. Sie drehten sich mit ihrem Hadern im Schicksalsrad des Leidens. Ich sah, dass ihre Last, die sie sich aufbürdeten, dem menschlichen Irrtum entsprang, sich von Gott getrennt zu fühlen. Je intensiver ich mich mit den Menschen und ihren Themen beschäftigte, umso mehr wuchs in mir die Fähigkeit, all das nicht zu werten, beurteilen und darüber zu richten, sondern in Liebe loszulassen, die Menschen so Sein zu lassen und sie bedingungslos annehmen zu können, so wie sie eben sind: vollkommene Samen, die zu ihrer göttlichen Verwirklichung im Licht der Liebesonne erst noch aufblühen werden. Ich erkannte und erfühlte wie wichtig es ist, keine Wertung in die persönliche Wahrnehmung einfließen zu lassen. Denn wir alle gehören zur Göttlichen Schöpfung und wollen im Herzen in ganzer Fülle von der Liebe an- und aufgenommen werden, die das Eine in Allem ist.

Direkt von meiner Herzensmitte aus, da wo ich die Liebe Gottes am intensivsten fühle, von dort aus bin ich in der Lage, die Übersicht über die manchmal absurdesten Dinge der Welt zu behalten. Je mehr ich damals begann, das langsam zu verinnerlichen, umso deutlicher wurde mir diese innere Sehnsucht nach wahrer Liebe bewusst:                                   jedem Menschen so zu begegnen, wie die Liebe Gottes ihn sieht und seine freie Entscheidung genauso bedingungslos zu akzeptieren, wie Gott es tut. So kam es, dass, wenn ich zu Schreiben anfing und sich die Worte aus den geistigen Welten formten, ich sie als von nicht zu beschreibender Liebe durchzogen fand, in der ich mich ganz und gar daheim fühlte. Ich erkannte, dass meine innere geistige Führung und viele himmlische Wesen mir in inniger Verbundenheit zugetan sind, wie ich es bisher von keinem Menschen auch nur annähernd erfahren hatte. Bislang hatte ich nur jene Erfahrung machen müssen, dass dort, wo ich diese ersehnte Liebe am ehesten vermutete, sie am deutlichsten ausblieb. Dennoch waren diese Erfahrungen der in mir wohnenden Liebe, auch ohne Erwiderung durch Menschen, für mein Weiterkommen unabdingbar. Ich fragte mich ob es nicht zuviel verlangt war, jemanden finden zu wollen, der auch seinen Inneren Meister und dadurch zur wahren Liebe gefunden hatte. Natürlich wusste ich, dass die Liebe Gottes im Herzen von jedem wohnt, sie aber in sich bewusst zu finden, ganzheitlich anzunehmen und noch dazu bedingungslos zu lieben, das war eindeutig alles andere als gewöhnlich. Und wenn es ihn gäbe, diesen Liebenden, wie sollte ich ihn treffen, unter den vielen Milliarden Menschen?

Ich hielt es für unwahrscheinlich, auf einen Menschen zu treffen der genauso dachte und fühlte wie ich, der meine Botschaften aus dem Geistigen Reich, die ich jahrelang geschrieben hatte, nicht nur verstehen, sondern sie auch teilen würde. So fing ich an, mich zu arrangieren und begann das völlig loszulassen. Ich haderte also nicht mit meiner Sehnsucht und auch nicht mit den geistigen Welten, die ja nichts dafür können, dass die Erde derzeit noch überwiegend von Menschen bewohnt ist, die nur an das glauben, was ihr bedingungsbehafteter Verstand zählen, wiegen und messen kann, anstatt ihrem Herzen und der Führung der Liebe zu vertrauen. Die Liebe, die ich meine, unterscheidet sich himmelweit von dem, was man im Allgemeinen unter diesem Wort versteht. Liebe ist mehr als nur ein Wort: die stärkste Energie der Universen und des Lebens – die Gegenwart Gottes, der die Liebe Selber ist. Wenn wir begreifen würden, was Wahre Liebe ist, dann würde die Welt sich wunderbar verändern und wir würden endlich beginnen wirklich zu leben. Stattdessen verwechselt man all zu oft die wahre Liebe mit Besitzanspruch, Eifersucht, Verlustangst, Klammern, Bedrängen, den Anderen so formen zu wollen, wie man ihn gern hätte, anstatt ihn einfach zu sehen, wie er ist. Schon als Kinder lernen wir uns zu verstellen, um geliebt zu werden – und da man sich dadurch dann bald selbst nicht mehr kennt, findet man es in dieser Welt fast normal: zu betrügen oder betrogen zu werden, anstatt zu vergeben – zu hassen, zu überwachen und zu kontrollieren anstatt zu vertrauen. Alle diese Nicht-Achtungen, Rechthabereien, Respektlosigkeiten, fehlende Wertschätzungen den Anderen gegenüber kommen von mangelnder Achtung und fehlendem Respekt gegenüber sich selbst. Auch jene, die es so „gut“ mit Jemandem meinen, dass dieser fast davon erdrückt wird: Man kann ihnen ihre Unfähigkeit Andere anzunehmen und zu lieben, nicht einmal verdenken, weil sie sich selbst nicht annehmen und lieben können. Dieses Wort „Liebe“ ist uns mittlerweile ein Buch mit sieben Siegeln geworden. So erkennend, was oft fälschlicherweise für Liebe gehalten wird, sehnte ich mich – wie vielleicht jeder Mensch – nach der vollkommenen Erfüllung meiner wahren Liebesehnsucht, doch diese Wahre Liebe, wie ich sie herbeisehnte, schien unerreichbar für mich zu sein.

Und dann kam zu einer Zeit, als ich am wenigsten damit gerechnet hatte, jener Tag, von dem ich nicht mehr für möglich gehalten hatte, ihn noch zu erleben: Ich traf mein Du. So schlicht es sich liest, so unglaublich es sich anhört, so klar und deutlich war Er einfach da. Ich tauschte mich zu diesem Zeitpunkt im Internet mit spirituell Gleichgesinnten aus. (Gleich gesinnt bedeutet für mich, der Mensch hält weder die Schöpfung für einen Zufall, noch Gott für ein Hirngespinst gescheiterter Kreaturen.)

Ich hatte eine Website gefunden, auf der ein mehr oder weniger verständiger Austausch über die „Liebe“ und daraus erwachsender Themen stattfand. Schon nach wenigen Tagen überlegte ich bereits, ob ich mich dieser manchmal schillernden Scheinwelt der Illusionen auf virtueller Ebene, weiter hingeben sollte, denn einerseits schätzte ich die Kontakte dort, bekam aber auch ein gewisses Maß an Oberflächlichkeit zu spüren, so dass ich mich fragte, ob es sinnvoll sei, sich dem noch länger auszusetzen. Genau zu diesem Zeitpunkt brachte eine aufmunternde Durchsage aus den geistigen Welten mich zu dem Entschluss, doch noch ein wenig abzuwarten, um erkennen zu können, welcher Sinn hinter dem Ganzen stand. Und keine zwölf Stunden später schrieb ich genau in diesem Portal einen Menschen an, dessen Profilbeschreibung meinem Fühlen sehr nahe kam.

Die ersten drei Worte seiner schriftlichen Antwort ließen mein Herz beinahe stillstehen, denn ich fühlte plötzlich ein großes Angekommen-Sein. Ich war daheim, allein weil ich diese wenigen Zeilen, meines mir noch unbekannten Gegenübers, gelesen hatte. Noch überhaupt nichts Konkretes von diesem Menschen wissend, spürte ich einen immensen Wendepunkt in meinem Leben aufsteigen. Es war mir sofort die Resonanz mit jener starken und vertrauten Verbindung mit dem geistigen Reich der Liebe spürbar, die bisher immer die Quelle meiner Inspiration war.

Wir, dieser Mann und ich, begannen uns zu schreiben und eröffneten damit wohl eine der schönsten Liebesgeschichten zweier Herzen, die auszogen, wahrhaft Lieben zu lernen.  Mit der Häufigkeit unserer täglichen Briefe wuchs ebenso unsere gemeinsame Basis, welche wir bereits tief in uns trugen und die wir in gleicher Intensität fühlten, sobald wir uns mit der Mitte unserer Herzen verbanden. In einer so enorm kurzen Zeitspanne erlangten wir gemeinsam Bewusstseins-Ebenen, so dass ich mir sicher wurde, endlich das gefunden zu haben, nachdem ich – mal bewusst, mal unbewusst – schon so lange suchte. Die in mir wohnende Liebe wurde wahrhaftig, heil und ganz von einem Wesen in Menschengestalt erwidert, das plötzlich Gesicht, Name und Körper bekam: Andreas.

Es war unglaublich und genau so faszinierend zugleich. Mir war, als öffnete sich ein kosmisches Tor nach dem anderen für mich. Diese Liebe, die ich plötzlich zu einem noch unbekannten Menschen empfand, den ich bisher nie zuvor gesehen hatte, öffnete sich in Dimensionen, die ich niemals – außer vielleicht in Momenten des Schreibens – zuvor so erleben durfte. Ich war so von Glücksseligkeit ergriffen, dass ich ohne Unterbrechung, durch den Tag hätte tanzen können, ein häufiges Lächeln begleitete mich. Das lang ersehnt und so sehr gesuchte nun endlich gefunden zu haben, meine Sehnsucht unerwartet gestillt zu sehen, erfüllte mich mit Erleichterung und Freude, die aus jeder Zelle meines Körpers heraus wie kleine Sonnenstrahlen schienen. Es war unübersehbar, wie ich mich fühlte und auch meinem Umfeld blieb dieses Glück nicht verborgen.

Wenn wir uns in Meditationen auf die Stille besinnen, sind unsere beiden Herzen in ihrer Mitte verbunden, im Treffpunkt unseres gemeinsamen Herzensgarten, den wir beide so liebend gerne aufsuchen. um in einer Oase des Friedens zu ruhen. Es ist keine Vision, die ich angestrengt zu fokussieren hätte, sondern wie von ganz allein, verbreitet sich mehr und mehr dieser allumfassende Frieden in mir. Dieses in sich Ruhen wirkt sich ein jedes Mal aufs Neue auf meinen Herzschlag und meine Atmung aus. Ich hatte dieses Gefühl zuvor noch niemals so erlebt. Verbunden mit Andreas bin ich nun tief in mir verwurzelt. Mein in mir gewachsener, vertrauter Baum, steht nun inmitten dieses Himmlischen Friedens – der stark und verlässlich ist, wie eine uneinnehmbare Burg. Ich bin mir sicher, dieser Frieden ist jenem sehr ähnlich, der eine lichtgewordene Seele begrüßt, wenn sie den verstorbenen Körper verlässt. Wohl hatte ich den Frieden annähernd schon ab und an in meinen Meditationen erahnen dürfen. Aber das war nur ein Hauch des jetzigen Erlebens. So anhaltend, schnell erreichbar, intensiv und ausgedehnt wie jetzt – das war für mich völlig neu. Die Basis unserer Verbindung entwickelte sich eindeutig von Innen nach Außen. Welches wunderbare Wesen da in dem Gegenüber verborgen lag und wie sehr es dem eigenen Wesen ähnelte, wussten wir beide voneinander von der ersten Sekunde an.

Da wir uns noch nie gesehen hatten, waren wir ganz auf unser Gefühl angewiesen, uns an dem zu erkennen, was in unseren Herzen verborgen lag. Natürlich fragten wir uns, wie jener so bedeutungsvoll sein sollende erste Moment des sich Gegenüberstehens und sich in die Augen Sehens wohl sein würde. Aber wichtiger als sein Körper waren die wertvollen Geistesgaben, die aus dem Inneren dieses geliebten Menschen nach außen leuchteten.  In unserem Fall die Liebe davon abhängig zu machen, ob das Aussehen des Anderen denn gefiele, wäre ungefähr dasselbe gewesen, als wollte ein beschenktes Kind sein lang ersehntes Geschenk nicht annehmen und aus dem Karton heben, weil es das darum gewickelte Geschenkpapier nicht mag. Wir wussten nichts voneinander und doch war Andreas mir das Kostbarste auf der Welt, was ich mir je vorstellen konnte. Ja, ich wusste: er war und ist ein Geschenk des Himmels.

Wir begannen allabendlich zu telefonieren. Es gab kein Gespräch ohne eine immense Dankbarkeit und Erleichterung in mir, diesen „Einen“ endlich gefunden zu haben. Seine Stimme ging mir durch alle meine Sinne. Schon nach wenigen Minuten des Gespräches begann ich zu lächeln. Ihm erging es genauso. Wir nannten dieses grundlose Lächeln aus einem unbeschreiblichen Gefühl heraus: `ein Herzenslächeln´.

Andreas erweckte in mir das Gefühl absoluter Freude, wie es ein Kind zu Weihnachten kurz vor der Bescherung haben mag. Durch ihn gewann ich plötzlich diese kindliche Gefühlsintensität wieder zurück, von der ich glaubte, sie längst vergessen zu haben.       Ja, wir freuten uns wie die Kinder, wenn wir uns sprachen und nahmen wie diese unsere gegenseitige, durch nichts zu übertreffende Liebe zueinander an. Dieses Annehmen vollzog sich ganz von allein und wie selbstverständlich: Die freudige Erfüllung in gegenseitiger Annahme unserer Liebe.

Unsere sprachliche Verständigung, die ohne die allüblichen Missverständnisse des bipolaren Verstehens auskommt, nennen wir die `Herzenssprache´. Sie spricht von unserem unerschütterlichen Wissen um die göttliche Schöpferkraft der überkosmischen Liebe, und von unserer gemeinsamen Liebe zu Gott und den geistigen Sphären. Im beiderseitigen Erkennen, dass wir völlig dieselbe Sprache sprechen, fanden wir zu einer ureigenen Vertrautheit und unendlichen Zuneigung zueinander. Unsere gemeinsame Basis der Liebe, lässt uns erkennen, wie wesensgleich wir ticken.

Parallel dazu wuchs in uns das Gefühl von Demut und Dankbarkeit, Gott Selbst und der Schöpfung, gegenüber, weil unsere Wege, auf außergewöhnliche Weise geführt, sich zielsicher treffend, miteinander verbunden hatten. Mit unserem so plötzlich und unerwartet potenziertem Liebeglück begann aber auch die Schwierigkeit, unserem familiären und sozialen Umfeld (den Kindern, dem Ehemann…) dieses fantastische Ereignisses so zu erklären, dass wir wenigsten annähernd verstanden würden. Das, was da mit uns passierte, in Worte zu kleiden, war so gut wie unmöglich. Wir konnten es ja selbst kaum glauben. Es war dasselbe, wie plötzlich jemandem beschreiben zu wollen, wie süß, sauer, salzig, oder bitter schmeckt. Die Geschmacksrichtungen lassen sich sowenig mit Worten erklären wie die Musik – oder die Liebe: sie wollen geschmeckt, gefühlt und gelebt werden. Genauso wenig gab es auch für die Glückseligkeit der heftigen Gefühlswelten unserer allumfassenden Liebe zueinander, eine geeignete Beschreibung. Das, was wir da eben gerade durchlebten, war unbeschreiblich.

Und so kam es dann bald auch zum ersten Treffen. Ich wusste bereits, bevor meine Augen das erste Mal in seine schauen würden: Diesen Mann, der mir da gegenüberstehen würde, liebte ich schon von Beginn aller Zeiten an. Diese Erwartung bestätigte sich tatsächlich auch, als er dann in Person vor mir stand: Er lächelte wie ein Engel. In den 1000 Gesichtern meines Du´s glaubte ich all meine verflossenen Liebschaften wiederzuerkennen. Ich erkannte, dass ich all meine verloren geglaubten Gefühle in seinem Inneren wieder finden würde. Wie Er in mir, fand ich all meine Fragen in ihm beantwortet. Wir waren zwei Königskinder und genauso fühlten wir uns auch.

Während unserer ersten Begegnung (die aufgrund der weiten Entfernung gleich drei Tage dauerte) erlebte ich in Bildern, was sich zeitgleich zu unserem Fühlen in den geistigen Sphären abspielte. Meine energetische Wahrnehmung schien immens erweitert. Mein Verstand versuchte vergebens Schritt zu halten, was zur Folge hatte, dass die Ereignisse mein Raum- und Zeitgefühl durcheinander brachten. Doch statt einer dadurch vielleicht entstehenden Unsicherheit, überwog in mir das Gefühl eines ganzheitlichen Erkennens. Sobald wir uns nur in die Augen sahen, nahm ich es so wahr, als tanzten wir im Sternenfeuer der Liebe, wir bereisten gemeinsam die kosmischen Systeme unserer Innenwelt und waren der Kosmos selbst. In unseren Gesprächen eröffnete sich uns das große Buch der Schöpfungsgeheimnisse so klar und deutlich, wie anderen Menschen die Inhalte der Morgenzeitung, die sie üblicherweise zu lesen gewohnt sind. Wir begannen zu ahnen, was tief in uns nur darauf wartete darauf, endlich an die Oberfläche kommen zu dürfen. Und jeder von uns las es in den Augen oder dem Herzen des Anderen: unsere Ergänzung ist vollkommen. Wir sind heil und ganz.

Unser Umgang miteinander war vom ersten Augenblick an wie das tägliche Atmen und wurde zusehends unser Lebenselixier. Es war die gemeinsame Sprache, in der sich unserer Seelen einander mitteilten, die von einer nie erkannten Anziehungskraft ergriffen waren. Als seien wir – ein Jahrtausende altes Ehepaar – nie getrennt voneinander und immer schon gewesen. Als hätten wir uns nur kurz aus den Augen verloren, lagen wir uns nun glücklich lächelnd wieder in den Armen.

Andreas sagte, ich sei ihm Mutter, Schwester, Tochter und Geliebte zugleich – und er war mir in diesem Augenblick Vater, Bruder, Sohn und Geliebter – schon immer. Ich erfühlte mehr und mehr, welche uralte Geschichte uns hier verband, welch tiefes Wissen in uns lag. Wir hörten und verstanden mehr und mehr die Sprache unserer Herzen, was manchem Außenstehenden unbegreiflich bleiben musste. Jene Gefühle, die uns bewegten, anschaulich zu beschreiben, dafür gibt es keine Worte. Uns ist, als hätte die wahre Liebe uns durch das gleichzeitige Erkennen unseres Selbstes im Anderen zu neuem Leben erweckt.

Nicht nur weil die Bewusstseinsentwicklung bei uns zweien ähnlich war und wir in einer völlig gleichen Gedankenwelt leben, fühlen wir die Urkraft dieses Herzens-Magnetismus`, der uns Gewissheit schenkt: wir sind füreinander bestimmt. Ich möchte unsere duale Verbindung so beschreiben wie ich sie erfühle: Zwei Seelen verbinden sich zu Einer, um mit der ihnen innewohnenden Liebe Gottes besser in Resonanz gehen zu können. Nun mag es sein, dass sich eine duale Seele in der Einheit ihres Eins-mit-Allem-Seins von Zeit zu Zeit teilt, um sich in der Vielfalt des irdischen Lebens, in ein männliches und ein weibliches Wesen zu verkörpern, weil noch immer die Bipolarität der Gegensätze das herrschende Prinzip auf der Erde ist. Daraus erwächst in jedem der beiden irdischen Teile der dualen Seele die Sehnsucht nach dem anderen. Vielleicht vermeinen beide, da sie von der Existenz des Seelenpartners nicht mehr als ihre tief verwurzelte Sehnsucht kennen, in der Zuneigung zu einem anderen Menschen die Erfüllung ihrer Vervollständigungssehnsucht zu finden. Doch anders als die meisten Partnerschaften und Ehen, die oft nur Arrangements sind, ist die Wieder-Eins-Werdung mit dem Dual – jener Seele, mit der man seit Ewigkeit zu Einer größeren verbunden ist – vollkommen. Wir erleben die Verschmelzung unser beider Herzen als Vollendung unseres seelischen Reifeprozesses, indem wir durch unser Zusammenfinden zu einer bislang immer ersehnten – doch nie erreichten Vollständigkeit gelangen.

Die Liebe Gottes Selbst, die unseren Seelen das Leben einhauchte, sandte uns auf die Reise in die irdische Lebensschule, damit wir aus der bipolaren Gespaltenheit des „Sich- Getrennt-Erlebens“ in freier Hinwendung in die Einheit und Resonanz mit ihr zurückkehren. Indem wir nun mit der Liebe Gottes in Resonanz treten, überwinden wir die Trennung, was in unserem Leben daran sichtbar wird, dass wir – Eins mit uns selber –zu unserem wahren seelischen Ich und auch zu unserem wahren Seelenpartner finden. Weil sich in unser beider Seelen die männliche und weibliche Seite der Einheit Gottes    (der Schöpfer und die Schöpfung) spiegeln, erfahren wir durch unsere Einswerdung das Ziel des göttlichen Liebeplanes: die Potenzierung der göttlichen Liebe im unendlich lieben und wiedergeliebt werden. Durch das Aus-Sich-heraus-Stellen der Schöpfung vervielfältigt sich die Liebe in ihren zahllosen Geschöpfen, denen Sie sich Selbst als Leben schenkt, indem im ständig wachsenden Liebestrom des Liebens und Widerliebens die ganze Schöpfung schließlich Licht ist und sich ihrer Göttlichkeit bewusst wird. Diese Bewusstwerdung des göttlichen Ursprungs wird die Menschheit aus dem bipolaren Denken der mentalen Verstandesebene befreien und sie in der ganzheitlichen Sicht des Geistes erwachen lassen. Im Licht der Erkenntnis des Eins-mit-Allem-Seins wird der Mensch, der bislang in seiner Unbewusstheit sich selbst und die Erde geknechtet hat, zum „Neuen Menschen“, der in der Gegenwart Gottes mit der Liebekraft der Erleuchtung die „Neue Erde“ erschafft.

Wenn durch die Erkenntnis des EINEN Lebens in uns allen, die Fähigkeit erwacht, einander bedingungslos zu lieben, wird niemand mehr einem anderen schaden, weil man sich dadurch ja nur selber schaden würde. Es wäre unvorstellbar, irgendetwas auf Kosten der Anderen zu tun. Morde, Vergewaltigungen oder Misshandlungen wären ebenso undenkbar, wie Kriege zu führen oder eines persönlichen Profits wegen die Natur auszubeuten. Undenkbar, in des anderen Freiwilligkeit, auf welche Art und Weise auch immer, einzugreifen. Anstatt die Menschen für einen fragwürdigen materiellen Nutzen zu konditionieren und sich selbst zu entfremden, trachtete man vielmehr danach, den Anderen bestmöglich in dem So-Sein-wie-er-Ist zu fördern, weil er dann für die Allgemeinheit am nützlichsten ist. Jeder würde Jedem nach Möglichkeit hilfreich sein, weil dadurch allen geholfen ist und so letztlich jeder durch seine Förderung der Anderen am meisten selber gefördert wird. Man würde im Licht der Höheren Wirklichkeit sich selbst und die Mitmenschen mit den Augen der Liebe Gottes sehen, wodurch von Heute auf Morgen die Welt zum Paradies werden würde. Gott Selber wird mit den Himmeln zur Erde herabkommen und mit den Kindern Seiner Göttlichkeit sein, wenn der Mensch sein verleugnetes Herz wieder findet.

Doch das höchste Selbst Gottes lässt uns in völliger Freiwilligkeit agieren, weil die wahre Liebe sich nur in freiwilliger Hinwendung finden lässt. Aus diesem Grunde greift Gott nicht in unsere Entscheidungen ein, auch wenn wir durch unser Tun und Handeln uns selbst und Anderen schaden. Er lässt es zu – solange wir nicht im Licht der Wahrheit der Höheren Wirklichkeit sehen – weil es des Menschen Weg zur Erkenntnis ist, aus seinen Fehlern zu lernen. Wir sind die Schöpfer unserer eigenen Welt. Hier geschieht vieles, was nicht aus Liebe geschieht, denn wir haben die allumfassende Liebe in unseren Herzen vergessen. Hier ist nichts für die Ewigkeit gemacht, weil wir unsere Unsterblichkeit vergaßen. Diese äußerliche Welt, die das Spiegelbild unserer inneren Welt ist, ist nur eine Scheinwelt, die uns als Illusion unseres selbstvergessenen göttlichen Wesens, das sich getrennt von Gott wähnt, vorgegaukelt wird.

Solange wird diese Welt dualistisch – im scheinbaren Gegensatz der Pole bleiben, bis wir unseren Irrtum erkennen: dass wir nicht unser konditioniertes Ego sind, für das wir uns fälschlicherweise halten, indem wir uns mit unserem Verstand identifizierten, anstatt mit unserem wahren Herzenswesen.                                                                                  Solange werden wir in dieser Welt der „Erkenntnis von Gut und Böse“ im Kreislauf des Sterbens und wieder neu geboren Werdens verweilen müssen, bis wir erkennen, dass wir nicht von Gott getrennt, sondern im Licht Seiner gegenwärtigen Liebe für immer sind. Diese `Ist-Liebe´ ist jene Kraft, die auch unsere duale Partnerschaft trägt. Sie Ist einfach. Es spielt keine Rolle mehr, was der Partner bisher getan und was er alles nicht getan hat. Es ist gleich, wer oder was er auf der gesellschaftlichen Karriereleiter darstellt. Das äußere Erscheinungsbild ist nicht mehr von Bedeutung, braucht es auch nicht, da der Partner mit den Augen der Liebe gesehen wird: So wie er ist – und nicht so, wie man ihn haben will. Dann beginnen wir unseren Partner in seiner göttlichen Vollkommenheit zu sehen – so wie Gott ihn nach Seinem `Ebenbild´ schuf.

Ein Mensch, der liebt, wird in seiner Ausstrahlung von seiner Umwelt wahrgenommen, denn es leuchtet aus seinem Inneren und aus seinen Augen heraus, wonach alle sich sehnen: Freude, Liebe und das Urvertrauen, das alles gut ist. Wer die wahre Liebe, jene alles erfüllende Kraft der göttlichen Liebe, die das Leben aller Seelen Selber ist, in sich findet, erkennt sie in ihrer ganzheitlichen Vielfalt auch in der Einzigartigkeit der Anderen wieder.

In den Augen von Andreas spiegeln sich die Freude am Wunder der Schöpfung und die Liebe Gottes gleichermaßen. Wir ersehnen beide den Tag, wo sich alle Menschen in der Gegenwart Gottes mit den Augen der Liebe sehen werden.

Agila

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