Vom Umgang mit den Flüchtlingen

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In einer Zeit, da die Kriege der Intoleranz und die Not der Ausbeutung der Schwachen durch die wirtschaftlich Reichen und Mächtigen auf Erden zu immer mehr anschwellenden Flüchtlingsströmen von Menschen führt, die in ihrer angestammten Heimat verfolgt werden oder kein Brot finden, klopfen viele Hilfesuchenden auch an die Türen des reichen Europas, des reichen Deutschlands und auch an Deine Wohlstandstür.

Es gab Zeiten, da waren wir selber (oder unsere Mütter und Väter) auf der Flucht – nach einem unsinnigen, demagogischen, unzivilisierten Krieg, der über unsere Köpfe hinweg geführt wurde, in Flüchtlingstrecks aus dem Osten nach Westen – oder, weil unsere Kinder nichts zu beißen hatten, fort von der Stätte unserer Herkunft in der Hoffnung, irgendwo einen sicheren Ort zum Leben zu finden.

 

Flucht

Vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Menschseins, in dem jeder erfahren muss, was er den anderen tut (Das kosmische Prinzip von Ursache und Wirkung) ist es – aus der Perspektive eines zivilisierten Menschheitsbewusstsein – unfassbar und unerträglich, Asylantenheime und Flüchtlingsunterkünfte in Deinem Land und in Deiner Nachbarschaft brennen zu sehen. „Armutsflüchtlinge!“ – „Asylschmarotzer!“ – „Nein, wir sind nicht ausländerfeindlich, sondern besorgte Staatsbürger, die sich vor Überfremdung schützen müssen.“

Stell Dir einfach einmal vor, durch irgendwelche missliche Situationen, für die Du eigentlich gar nichts kannst (Krieg, Dürre, politische Verfolgung, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit…), wärst Du genötigt mit Deiner Familie Dein Land zu verlassen und wärest angewiesen auf die Solidarität „Fremder“. Der Asylant, der Flüchtling, der Fremde – das bist Du. Nichts anderes als er bist Du: ein Mensch. Wir alle sind Flüchtlinge und hier nirgends wirklich zu Haus. Mehr noch: wir alle sind Außerirdische und unser Bleiben hier ist nicht für immer. Auch wenn Du wohlsituiert mit Reisepass, gefülltem Konto und fast abbezahltem Haus dich in Sicherheit wähnst – bereits Morgen kann der Wind aus einer anderen Richtung wehen.

 

Flüchtlingshemden im Stacheldraht

Wer ist der Mensch? Wer bist Du, der sich „deutsch“ nennt oder sonst einem Staat sich zugehörig fühlt. Weißt Du nicht, dass wir alle Kinder eines einzigen Ur-Elternpaares sind – Brüder und Schwestern einer einzigen Menschlichkeit? Zellen eines einzigen Menschen, der diesen Planeten bewohnt? Die Grenzen zwischen Staaten und die Gartenzäune zwischen unseren Häusern sind in Wirklichkeit Illusion. Der Schwingungsenergie unserer Gedanken halten keine Mauern stand. Das Resonanzgesetz lässt – was wir aussenden – vielfach verstärkt zu uns zurückkehren.

Was wir an „den Fremden“ hassen, was uns vor ihnen ängstigen lässt, das sind vielleicht ihre Geschichten, die wir genauso wenig hören wollen, wie die Geschichten von Krankheit und Leid, aber ganz gewiss nicht sie. Wir wollen einfach nicht konfrontiert werden mit etwas, was uns selbst geschehen könnte. Wir wollen in unserer Reihenhaus-Idylle nicht gestört werden, nicht erinnert, dass es das Elend tatsächlich gibt – dort draußen in der Welt. Und wir wollen uns noch weniger Gedanken darüber machen müssen, dass unser materielles Scheinglück systembedingt vielleicht sogar mit der Not dieser Menschen auf der Flucht zusammenhängt.

 

A Biafran doctor hands out cups containing the daily ration of powdered milk to a line of children at a refugee camp in Anwa, Biafra, Aug. 5, 1968. Doctor's have the tragic duty to pass nourishment only to those who seem to be strong enough to survive as food is so scarce. (AP Photo/Kurt Strumpf) Ein Arzt händigt im August 1968 in einem Flüchtlingscamp die tägliche Milchration an hungernde Kinder aus. Doch auch in den biafrischen Flüchtlingslagern waren die Lebensmittel so knapp, dass selbst dort unzählige Kinder starben.

Es gab dereinst einmal etwas, das man „Gastfreundschaft“ nannte. Seltsamerweise etwas, dessen man sich in ärmeren Ländern mehr erinnert als in den reichen. Hier – in einer materiell verblendeten Gesellschaft – nennt man jene Häuser „Gasthaus“ oder „Gastwirtschaft“, die von den Gästen profitieren. Das hat nichts mit jener „Gastfreundschaft“ zu tun, die Reisenden in ansonsten eher unwirtlichen Ländern oft widerfährt. Da geben die Menschen ihr Bestes und Letztes für den Gast – nicht etwa weil sie Lohn dafür erwarten (und sei es nur durch das universelle Gesetz: „Was Du Anderen tust, wirst Du selbst erfahren.“ oder „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus), sondern aus einer wirklichen Gastfreundschaft heraus, die weiß, das Geben und Nehmen Eins sind und diese Freude kennt, die – wenn schon nicht in harter Währung der Welt, so doch in der ewigen Währung der freudreichen Liebe – vielfältig zum Gebenden zurückkehrt.

Der Flüchtlingsstrom, der auch an unseren Türen keinen Halt macht, ist unsere große Chance zur Erprobung dieser fast vergessenen Gastfreundschaft, die Freunde schafft. Die Flüchtlinge sind uns vom Leben selbst als Herausforderung geschickt. Lasst uns die „Fremden“ so aufnehmen, wie wir selbst es wünschten aufgenommen zu sein, dann werden wir uns dieses Gefühls erinnern, dessen Freude uns fast gänzlich verloren ging. Man glaubt, zu geben und ist doch selber der reich Beschenkte. Ein freundliches Wort öffnet Türen und eine herzliche Aufnahme kehrt als herzlicher Dank tausendfach zurück.

 

Gastfreundschaft

Ja, die Flüchtlinge, die an unsere Tür klopfen, sind für uns eine große Chance. Lassen wir sie nicht mit Drohen, Fordern und Klagen herein, sondern in wahrer Gastfreundschaft! Dann werden wir uns gut fühlen wie ein Feuerwehrmann, der ein Kind aus dem brennenden Haus holt. Und verwundert werden wir den Unterschied erkennen, dass der Mensch, der um Einlass bittet, nicht der Schmarotzer ist, der uns die Butter vom Brot nehmen will, sondern eine Bereicherung für unser gesellschaftliches Leben. Denn weil wir sehen, was wir sehen wollen, werden wir mit „Ausländerfeindlichkeit“ tatsächlich nichts anderes als Feindlichkeit ernten. Wenn wir die Hilfesuchenden in Ängstlichkeit knechten und in unselbständige Abhängigkeit bringen, werden wir uns und dem Land nur immer neue Krisenherde schaffen.

Welch ein Unterschied hingegen die freundliche Aufnahme dieser Menschen, die aus “Fremden” hochmotivierte, liebenswerte Freunde macht.

„Klopfet an, so wird Euch aufgetan.“