Was ist Liebe?

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Jeder versteht – je nach seiner Liebefähigkeit (oder seinem Liebebedürfnis) – etwas anderes darunter. Mit „Liebe“ wird im Sprachgebrauch nicht nur die freiwillige Bindung zwischen zwei Personen oder die emotionale Beziehung zwischen Eltern und Kindern bezeichnet, sondern ebenso „Tierliebe“, „Heimat- oder Vaterlandsliebe“, wie auch „Vorlieben“ für bestimmte Speisen oder Tätigkeiten. Zumeist übersetzt man „Liebe“ heutzutage mit Zuneigung. Doch können diese Begrifflichkeiten kaum die Bedeutungstiefe dieses Wortes ausloten.

 

Das, was man gemeinhin unter „Liebe“ versteht, ist nicht nur individuell und kulturell verschieden, sondern wandelt sich auch fortwährend (- obwohl die Liebe an sich doch ewig unwandelbar ist). Während der Begriff „Liebe“ beispielsweise in der Epoche der Romantik eher idealisiert und verklärt wurde, ist man heute in Soziologie und Philosophie darum bemüht, den „Liebebegriff“ auf rationale Weise zu verstehen. Soziologisch betrachtet man Liebe heutzutage als „entgrenzendes Gegenmodell zu den Beschränkungen, Anforderungen, Funktionalisierungen und Ökonomisierungen der menschlichen Alltags- und Arbeitswelt“ (Wikipedia).

 

Das mag zwar stimmen, zeigt aber auch wie sehr der westlich zivilisierte Mensch sich seines Selbstes entfremdet hat, dass er die Liebe für etwas hält, was seiner „sozio-gesellschaftlichen Funktionalität“ entgegensteht. Ja, manche soziologischen „Liebeforscher“ diagnostizieren die Liebe gar als „anarchisches, asoziales Lebensgefühl, das im Gegensatz zu Rationalität und Berechenbarkeit eines Menschen“ stände. Auch das ist unleugbar richtig, wenngleich sich hier das Bemühen des Verstandes offenbart, etwas zu definieren von dem er keine Ahnung hat. Immerhin gesteht man ein, dass, wenn Liebe auch „kein bewusster Entschluss der Liebenden“ sei, man sie deswegen „nicht als irrational und dem Verstand unzugänglich“ betrachten müsse. Was für ein Glück für die Liebenden, die man ansonsten womöglich wegsperren würde?!

Weder eine übersteigerte Idealisierung, noch die soziologische Reduktion der Liebe auf kommunikative zwischenmenschliche Interaktionen kann der Bedeutung dieses Gefühls in all seinen scheinbaren Widersprüchlichkeiten gerecht werden.

 

Über das, was Liebe ist, diskutiert man nicht erst seit den griechischen Philosophen, denn die Liebe und der Tod sind die Hauptthemen der Menschheit, seit der Tod und die Lieblosigkeit in die Welt kam.

 

„Das Wesen der Liebe zu analysieren heißt festzustellen, dass sie heute nur selten erlebt wird; es heißt aber auch, die sozialen Bedingungen zu kritisieren, die dafür verantwortlich sind. Der Glaube an die Möglichkeit der Liebe als ein allgemeines und nicht nur ausnahmsweises individuelles Phänomen ist ein rationaler Glaube, der auf der Einsicht in das Wesen des Menschen beruht.“

(Erich Fromm)

 

 

Die allgemeine Begriffsbestimmung unterscheidet die „empfangende“ und die „sich schenkende“ Liebe, wie sie zum Beispiel sichtbar wird im Verhältnis eines Kindes zu den Eltern. Die „Liebebedürftigkeit“ des Kindes und die sich schenkende „Mutterliebe“ bedingen einander. Denn in Wirklichkeit sind die Grenzen zwischen der sich schenkenden und der bedürftigen Liebe fließend: auch das Kind beschenkt die Mutter natürlich und sie bedarf es für ihr eigenes Selbstwertgefühl, ihre Liebe zu schenken. Jeder ist beides: liebebedürftig und in der Lage, Liebe zu schenken. Schon vorgeburtlich ist der noch ungeborene Mensch „liebebedürftig“ und wird es Zeit seines irdischen Lebens (– und wohl auch ewig weit darüber hinaus –) bleiben.

 

 

„Bedürftige Liebe schreit aus unserer Armut zu Gott.“

(C.S. Lewis)

 

 

Die schenkende Liebe hingegen erfordert eine gewisse Reife, die umso größer sein muss, je weniger sie erwidert wird. Im Gegensatz zur gegenseitigen Erfüllung beidseitiger Liebe ist einseitige Liebe für den ungeliebt Liebenden zunächst zumeist mit Leid verbunden, aber letzlich dient ihm diese Erfahrung zum Heil und schließlich zur vollkommenen Erfüllung seiner Liebesehnsucht. Denn geliebt zu werden ist zweifellos eine erhebende Kraft, aber bedingungslos zu lieben ist mehr: göttlich.

Die größte Reife indes erfordert immer noch die „Feindesliebe“. Ist eine größere Liebe vorstellbar, als das Leid eines anderen auf sich zu nehmen und für dessen Befreiung das eigene Leben zu geben? Aber in dieser Art der Liebe liegt die größte Befreiung für die Welt, denn sie vermag von jahrtausendealtem Karma zu entbinden und vermeintliche Schuld in Nichts aufzulösen.

 

 

Doch es nützt ja nichts über Liebe zu philosophieren. Es wird auch den umfassendsten Definitionen nicht gelingen, den Sinn dieses Wortes erschöpfend zu beschreiben, denn die Liebe lässt sich nur fühlend wahrnehmen und erleben. Sie will in den Tiefen unserer Herzen ergründet und vor allem gelebt sein. Dennoch soll hier der Versuch unternommen werden, die Bedeutung der „Liebe“ für die Persönlichkeit des Einzelnen wie für die Gesellschaft im Allgemeinen zu hinterfragen, um uns selbst und die Welt – in unserem Mangel an Zärtlichkeit, Zuwendung und Geborgenheit – besser zu erkennen.

 

 

„Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe.

Das heißt: Je mehr wir lieben

und uns hinzugeben fähig sind,

desto sinnvoller wird unser Leben.“

(Hermann Hesse)

 

 

 

 

ANDREAS KLINKSIEK

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