Der Mensch: das Maß

Die heilsame Wirkung von Rhythmus und Klang

Weil das rhythmisch-harmonikale Zeitmaß der Musik den Körperrhythmus in gewisser Weise quantisieren und synchronisieren kann, ist sie das effektivste Mittel zur natürlichen Behandlung von psycho-somatischen Störungen, krankhaften Herz-Kreislaufproblemen, Schlafstörungen, Stress, Verspannungen und Schmerz.

Immer häufiger sind in Krankenhäusern, Kliniken und Praxen Musik-Mediziner und Musik-Therapeuten anzutreffen. Denn mehr und mehr werden die, der Gesundheit förderlichen Schwingungen der Musik erkannt.

Klangtherapie bewirkt eine biophysikalische Heilung des Körpers, emphatischen Stimulus der Seele und Bewusstsein förderndes Medium zur Resonanz mit geistigen Dimensionen.

Man kann auch sagen: Musik sei die Sprache des Herzens.

Leonardo Da Vinci

Der menschliche Puls- und Herzschlag ist das Metrum der Musik. Ob Puls verlangsamend (siehe „Psycho-Akustik“) oder beschleunigend:

immer bezieht sich die Musik des Menschen auf seine biologischen Körper-Rhythmen.

Im Gehirn findet gerade bei ungewöhnlicheren Schwingungsmustern und Rhythmen eine harmonikale Ergänzung statt, die das Hörerlebnis zu einem eigenen kreativen Prozess macht. Im Gegensatz dazu führt die gleiche Betonung jeder Zählzeit des Taktes, wie sie beim so genannten „Techno“ üblich ist, zu einem Ausschalten dieser unbewussten kreativen Ergänzung. Diese Erkenntnis ist nicht nur ein Ergebnis moderner Gehirnforschung, sondern war schon Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) bekannt:

Die Musik ist die Freude, die der menschliche Geist erfährt, wenn er zählt ohne sich des Zählens bewusst zu sein. (…)

Wenn die Seele auch nicht merkt, dass sie rechnet, so fühlt sie doch die Wirkung dieser unbewussten Rechnung, sei es als Freude am Zusammenklang, sei es als Bedrückung am Missklang.“

Die erste „Theorie des Rhythmus“, die überliefert ist, stammt von Aristoxenos von Tarent, (um 370-300 v. Chr.). Er erfuhr zunächst von Pythagoras´ Schülern Xenophilos und Lampros das Wissen um die Harmonik von Klang und Form und Zahl. Von Ihnen bekam er die Kenntnis von den Zusammenhängen des einstigen „Ganzheitlichen Weltbildes“, die Pythagoras etwa zweihundert Jahre zuvor von seinen Reisen nach Ägypten, Indien und Mesopotamien seinen Schülern überbrachte.

Später wurde Aristoxenos Angehöriger der Schule des Aristoteles in Athen, wo er als Philosoph und Musiktheoretiker – ganz im Sinne der aristoteleschen Definition von Wissenschaft – ein „Empiriker“ wurde, der sich insbesondere gegen seine pythagoräischen Lehrer mit Antithesen zu profilieren suchte.

Den Pythagoräern, die eigentlich die Quelle seines musiktheoretischen Wissens über Intervalle, Zahlen- und Schwingungsverhältnisse waren, warf er nun schwammige Definitionen vor, die er als `Orakel´ verspottete.

In ähnlich „empirischem Übereifer“ wie Charles Darwin, der behauptete, nichts zu glauben, was er nicht sehen könne, erklärte Aristoxenos nichts zu glauben, was er nicht höre.

Nun ist es mit der menschlichen Fähigkeit zu sehen und zu hören bekanntermaßen so eine Sache.

So kam es, dass über Aristoxenos` Forderung nach „akribischen“ Definitionen, Axiomen und Beweisen einer Musiktheorie, die sich auf das menschliche Gehör gründet, viel Wissen über die unerhörten Dinge verloren ging.

Und wiederum ist festzustellen, dass durch die Begrenzung der Definitionen des Aristoxenos auf das Hörbare in der Musik, das urtümliche Wissen um die Qualität des Klanges verloren ging, die – wenn auch dem menschlichen Ohr unhörbar – welterklärend und weltgestaltend ist.

Viele Tiere hören viel höhere und/oder tiefere Frequenzen als der Mensch. Und zweifellos gibt es Tonhöhen (und Tontiefen), die das menschliche Ohr nicht hören kann. Sind diese Klänge deshalb etwa nicht real?

Es ist heute keine Frage mehr: Es gibt – auch über die sinnliche Wahrnehmung des Menschen hinaus – Klänge, über deren Tonhöhe (Frequenzbereich), Tondauer (Wellenlänge), Lautstärke (Dynamik) und Klangfarbe der Mensch sowenig weiß, wie über ihre Wirkung und ihre Funktion innerhalb der „Matrix des Lebens“.

Dies bezieht sich auf die meisten Wellen und Strahlen, die uns in dichtem Schwingungsgeflecht umgeben, ohne dass wir sie hören oder sehen.

Aristoxenos lehnte die pythagoräische Schwingungslehre ab, indem er „ihre unüberprüfbaren Hypothesen (Archytas) und mit Ungenauigkeiten behafteten Flöten- und Saiten-Experimente“ als Abirren auf „fremde Gebiete“ kritisierte. Denn es war damals in der Athener Schule des Aristoteles Mode geworden, die einstige ganzheitliche Wissenschaft in Fachgebiete zu gliedern, deren Atomisierung in Einzel-Wissenschaften bis auf den heutigen Tag anhält.

Dennoch wusste Aristoxenos das Wissen der Pythagoräer für die deduktiven Prinzipien seiner Musiktheorie gut zu nutzen, denn er prägte damit die Musikterminologie der Spätantike und des Mittelalters.

Aristoxenos gilt noch heute als einer der fundamentalen Musiktheoretiker. Er definierte (auch wenn er diese Definitionen nicht selber erfand) unter anderem folgende in der Musik gebräuchlichen Begriffe:

Ton, Tonsystem, diatonisches, chromatisches und enharmonisches Tongeschlecht, Intervall, Dauer, Rhythmus.

Von Aristoxenos stammt auch die heute noch gebräuchliche musiktheoretische Definition des Rhythmus als Dauernfolge. Der Begriff `Rhythmus´ bezeichnet also eine Strukturierung der Zeit durch eine spezielle periodische Abfolge von Signalen und Pausen.

Aristoxenos erkannte, dass eine bloße Aneinanderreihung von Schlägen noch keinen Rhythmus macht. Erst eine Struktur sich wiederholender Betonung bringt Ordnung in die Bewegung und macht sie als Rhythmus erfahrbar.

Weitere heute noch aktuelle musiktheoretische Definitionen von Aristoxenos, die er aus dem pythagoräischen Wissen destillierte, beziehen sich auf die Modalitäten des Klanges. Er unterschied als die vier Parameter eines Tones:

Tonhöhe, Tondauer, Lautstärke und Klangfarbe“.

Die Parameter der Musik

Über die eben genannten „Parameter des Einzeltones“ hinaus, gehören zur theoretischen Beschreibung einer Musik weitere Faktoren, die „Parameter der Musik“ genannt werden.

Neben dem „Rhythmus“, als Kombination verschiedener Pulse in einem definierten Zeitraum, sind als weitere Komponenten der Musik vier Parameter definiert:

Die Definition des „Klanges“ beschreibt die Klangfarbe, die insbesondere durch seine Schwingungseigenschaften und die Amplitudenverhältnisse seiner Teilfrequenzen (Obertöne) bestimmt wird.

Harmonie“ wird die Verbindung gleichzeitig erklingender Töne verschiedener Tonhöhen genannt (Akkord), die nach den ganzzahligen Proportionsgesetzen der Harmonik in konsonanter Beziehung zueinander stehen.

Eine „Melodie“ versteht sich als Klangfolge aus verschiedenen Tonhöhen und Tondauern.

Die „Dynamik“ entwickelt sich durch die gezielte Veränderung der Lautstärken der Einzeltöne.

Nicht allein der Umstand, dass sowohl die Parameter des Einzeltones, als auch die Parameter der Musik in den modernen Synthezisern und Computer-Sequenzern vollständig in digitalen Zahlen ausgedrückt werden, stellt die Verwandtschaft von Mathematik und Musik anschaulich dar.

Jeder dieser Begriffe für sich ist zweifellos ein interessantes Forschungsfeld der Musikwissenschaft. Und dennoch sind sie alle nur Elemente der EINEN ganzheitlichen Wissenschaft, die nach pythagoräischer Überlieferung auch mit mathematischen, geometrischen und astronomischen Aspekten korrespondiert.

Heute dürfen wir – wenn zwar nicht im Licht jenes ganzheitlichen Weltbildes, dessen heller Spiegel schon in Babel blind wurde und durch Empiriker wie Aristoteles und Aristoxenos vollends in Stücke barst – so doch immerhin im Erkennen einer mit Elektronenmikroskopen und Radio-Teleskopen bewehrten modernen Wissenschaft, mit Fug und Recht sagen, dass jene Elemente der Musikwissenschaft noch weitaus mehr Bereiche des Seins tangieren.

So gründen zum Beispiel über die Mathematik und Geometrie hinaus – auch die Fachbereiche der Physik, Medizin, Philosophie, Soziologie, und nicht zuletzt die psychologischen Fakultäten – in der Harmonik, ebenso wie die (noch unakademische) Wissenschaft von der Seele und dem Geist.

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