Die indische Musik des Morgenlandes

Der weltmusikalischen Bedeutung des indischen Sub-kontinents in seiner Nord/Süd-Teilung inhaltlich Genüge zu tun, würde den Rahmen dieses Buches sprengen.

Darum sei bei diesem kurzen Überflug über die östlichen Kontinente der Musik hier nur am Rande auf die jahrtausendealte Überlieferung musikalischer Perfektion hingewiesen, die als geheimes Wissen von der Schwingungswirklichkeit des Universums von Meister zu Schüler fast wortgetreu weiter gegeben wurde bis auf den heutigen Tag.

Keine Kultur spielt komplexere Rhythmen. Die indischen Instrumente gehören zu den obertonreichsten der Welt.

Die indische Musik ist für die Harmonie dieses Planeten ebenso bedeutsam, wie das Sanskrit, als eine der ältesten Sprachwurzeln der Menschheit, für die Rückerinnerung an die verlorene Ursprache, denn die altindische Sprache bewahrte – wie die indische Musik – das vedische Wissen um die Schwingungskraft der Laute und Klänge.

Shiva tanzt den kosmischen Tanz. Brahman erschafft die Welten als Klang. Der Flöte spielende Krishna ist die Freude des Höchsten Gottes wesenhaft, der in allen verehrten Gottheiten als Avatar inkarnierte. OM

Die Musik im `Land der Mitte´

Auch in der Vokal- und Instrumentalmusik Chinas ist hinsichtlich Melodie, Klangfarbe und richtiger Modulation der einzelnen Töne ein einzigartiges Wissen bewahrt, das der sich lebendig entwickelnden Weltmusik wichtige Impulse zu geben vermag.

Zur Spiritualität der chinesischen Kultur gehört das Bewusstsein, dass der irdische Klang die Harmonie und Ordnung des Universums spiegelt.

Der erste der fünf mythischen Kaiser, Fu Hsi (etwa um 2850 v. Chr.), gilt als Begründer des I Ging und zugleich als „Erfinder“ der Musik.

Nach den Lehren des Konfuzius (551-479 v.Chr.), der die Musikkultur Chinas seit rund 2500 Jahren prägt, gilt die Musik als vollendetes Mittel, die Verbindung der Menschen mit der kosmischen Harmonie herzustellen.

So wurde in allen alten Kulturen, aber insbesondere in Indien und China der Wertbegriff der Kunst nach ihrer Wirkung auf die menschliche Seele gemessen. Musik hatte eine enorme Bedeutung im spirituellen, ethischen, sozialen und medizinisch-therapeutischen Bereich, und war ein wesentlicher Faktor der chinesischen Kulturentwicklung.

Die Prinzipien der richtigen Lehren sind alle in den Tönen der Musik zu finden.

Wenn die Töne richtig sind, ist das Betragen der Menschen richtig. Klänge und Musik bewegen und erregen die Arterien und Venen, kreisen durch die Lebensessenzen und verleihen dem Herzen Harmonie und Rechtschaffenheit.

So bewegt die Note Kung die Milz und bringt den Menschen in Harmonie mit vollkommener Heiligkeit.

Die Note Shang bewegt die Lungen und bringt den Menschen in Harmonie mit Gerechtigkeit.

Die Note Kio bewirkt die Leber und bringt den Menschen in Harmonie mit vollkommener Güte.

Die Note Chi bewegt das Herz und bringt den Menschen in Harmonie mit vollkommenen Riten.

Die Note Yü bewegt die Nieren und bringt den Menschen in Harmonie mit Weisheit.“

(Su-Ma-Tsien, etwa 2000 v.Chr.)

Diese Wertschätzung der Musik spiegelt sich in vielen alten chinesischen Weisheitslehren wider. Früheste Hinweise auf eine musikalische Lehre sind seit Erfindung der chinesischen Schrift (ca. 3000 v. Chr.) durch zahlreiche Zeugnisse überliefert. Die chinesische – wie die frühe indo-europäische Musik – diente kultisch religiösen oder staatlichen Zwecken. Es wurde nur solche Musik zugelassen, die den Anlässen angemessen war, (Götterverehrung) – oder dem Staat (Stabilisierung des Herrschaftssystems) förderlich sei.

Huang-Chung (= der `Ton der gelben Glocke´) galt als Grundschwingung des Reiches. Nur ein Pfeifenrohr mit einer bestimmten Länge und einem definierten Volumen konnte ihn erzeugen. Dessen Länge und Durchmesser war Grundlage der chinesischen Maße: seine Kapazität war das Maß des Raumes – und die Anzahl von Reiskörnern, die hineinpassten, galt als Grundlage sämtlicher Gewichte.

Die Verbindung von Maß und Musik war im alten China so eng, dass das kaiserliche Ministerium für Musik zugleich für Gewichte und Maße zuständig waren.

Die Schule der ursprünglichen chinesischen Musik weiß um die energetischen Zusammenhänge (Feng Shui) insbesondere auch in ihrer schwingungswirksamen Dimension des Klanges. Ebenso bietet das chinesische I Ging zum Verständnis der Polaritäten Dur und Moll (Yang und Yin) und der Verhältnisse der Zahlen in ihren weltenerschaffenden Proportionen einen einzigartigen Blick in die harmonikalen Gesetzmäßigkeiten der kosmischen Sphärenharmonie nach göttlicher Notenschrift.

Die Lehre von der kosmischen Lebenskraft Chi, dem Prinzip von Yang und Yin und den fünf Elementen entwickelte sich in der Zhou Dynastie (1066-256 v.Chr.) zu einem effektiven musiktherapeutischen System.

Erst seit relativ kurzer Zeit entdecken chinesische Mediziner und Künstler in den alten Überlieferungen die Kraft dieser `Schwingungslehre´ wieder, die zunehmend auch in der westlichen Medizin zur Heilung von Körper, Seele und Geist eingesetzt wird.

Es gibt über die Kontinente der Musik soviel zu sagen, dass es kein Buch fassen könnte, zumal Musik sich – wie gesagt – nicht in Worten beschreiben lässt.

Musik sollte man hören – oder besser noch selber machen. Dann offenbart sie sich – jedem auf seine Weise – mehr als tausend Beschreibungen es zu erklären vermögen.

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